Der klassische Publikationsprozess bezeichnet denjenigen Workflow, der seit dem Publizieren vermittels Desktop-Publishing bis heute üblich ist. Doch wie sieht ein solcher Prozess aus? Im zweiten Artikel der Serie Publizieren mit XML soll ein solcher Publikationsprozess dargestellt werden, bei dem Bestandteile wie Akquisition oder Ideenfindung sowie Vertrieb vernachlässigt wurden, um den Verlauf ab Idee bis zum fertigen Produkt zu veranschaulichen.

Publikationsprozess klassisch ohne XML

Der klassische Publikationsprozess eines Buches

Publizieren ohne XML: Produkt im Fokus

Der Prozess ist gekennzeichnet durch die lineare Struktur. Zu Beginn steht eine Idee, entweder eines Autors oder eines Verlages (durch Redaktion oder Lektor). Diese Idee bezieht sich zumeist auf ein Produkt, wie hier ein Buch. Auf Grundlage dieser Idee erfolgen Prüfung der Durchführbarkeit des Projekts, ökonomisch wie ressourcenabhängig, Analyse der Marktchancen und Positionierung des Buches, ggf. Reiheneröffnung oder Teilprojektplanung einer schon bestehenden Reihe, Ausstattungsüberlegung, etc.

All diese Fragen beziehen sich auf das eine Produkt und ebenso wird der Inhalt erstellt und bei Anlass illustriert. Möglich ist, das über die Option eines Hörbuchs oder einer begleitenden Homepage nachgedacht wird, jedoch geschieht dies klassisch eher in einem parallelen Prozess.

Verbindliche Linearität im Publikationsprozess

Anhand der Abbildung wird sichtbar, dass sich die drei Prozessphasen Inhaltserstellung, Aufbereitung und Produktion deutlich voneinander abtrennen lassen. Dies hat jedoch kaum praktische Bewandtnis, da die einzelnen Stufen daraufhin bearbeitet werden, in die nächste Stufe überzugehen. Sollte also aus dem Inhalt noch ein anderes Produkt entstehen, kann nur mit erheblichem Mehraufwand nach Stufe drei (also nach Fertigstellung des Inhalts) aufgeteilt werden in zwei parallele Prozesse wie Homepagepublikation einerseits und Buch andererseits. Der Inhalt ist nicht für andere Publikationsformen ausgelegt.

Ebenso ist die Bearbeitung des Inhalts in eine konkrekte Darstellung nur für die eine Publikationsform ausgelegt. Die Darstellung kann andersherum nicht einfach auf einen anderen Inhalt umgelegt werden. Zwar kann diesem Problem durch Layertechniken in Programmen wie InDesign oder QuarXPress begegnet werden, jedoch müssen auch hier Inhalte manuell eingesetzt werden. Da Inhalte weitestgehend in Word oder LaTex erstellt und abgeliefert werden, ist eine Deformatierung und das Umsetzen in die genannten Gestaltungsprogramme Standard.

Hier wird sichtbar, dass trotz Linearität des Publikationsprozesses zwischen den einzelnen Stufen ein erheblicher Aufwand besteht, der erst im Detail sichtbar wird. Nicht dargestellt sind zudem mögliche Rückflüsse durch Abstimmungen mit dem Autor. So können sich einzelne Schritte wiederholen. Für solche Prozesse müssen in der Regel 1 bis 2,5 Jahre kalkuliert werden, in denen bedingt durch den Aufbau parallele Bearbeitungen von Einzelschritten schwer sind.

Publizieren mit XML

Die Artikelserie um veränderte Publikationsprozesse mit XML entstammt der nachfolgenden Arbeit:

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