Tag: Unabhängige Verlage

Alois Nebel | Das elfte Türchen

LePublikateur AdventskalenderDas elfte Türchen des LePublikateur Adventskalenders eröffnet die Welt zu Alois Nebel. Wer ist das? Alois Nebel ist Fahrdienstleister im ehemaligen Sudetenland. Er liest gerne Fahrpläne und genießt ruhige Minuten bevorzugt auf dem Klo. Das mag unpassend erscheinen als Adventstürchen. Doch wer die ganze Geschichte kennt, will sofort versinken in der Welt dieses kauzigen Genossen.

Die Geister der Vergangenheit

Voland & Quist: Alois Nebel

Bei Voland & Quist: Alois Nebel

Wenn der Nebel sich über die Gleise und das alte Sudetenland legt, steigen die Geister der Vergangenheit auf. Alois Nebel ist Fahrdienstleister am Bahnhof in Bílý Potok. Ein kleiner Bahnhof, ein paar Züge täglich, nicht mehr passiert. Pünktlichkeit steht vor allem. Es ist eine gemütliche Gegend, mit ungemütlicher Geschichte. Eines Tages tritt sie zu Tage und Alois Nebel sieht, was er nicht sehen darf. Die Dämonen treiben den geruhsamen Mann in den Wahnsinn. Erst ein fremder Stummer bringt Licht ins Dunkel.

Was sich nach Vertriebenen-Story anhört, ist eine Graphic Novel von Schriftsteller Jaroslav Rudis und Zeichner Jaromir 99. In deren Heimat Tschechien entbrannte die Idee zu dem Buch, das bei Voland & Quist verlegt ist und mittlerweile als Klassiker in seiner Art gilt. Schon 2011 wurde das Werk verfilmt – natürlich im Stile des Buchs mit Rotoskopieverfahren – und wurde auf Festivals und im Heimatland gefeiert. Am 12. Dezember kommt der Film endlich auch in Deutschland in die Kinos und die Vorfreude ist groß. Wir haben gern gewartet, für eine so schön erzählte Geschichte…

Alois Nebel im Kino

 

 

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Regionalverlage beim Kleinverlegertag 2013 in Leipzig

Unabhängige Verlage sind wie Kakteen. Widerstandsfähig und ausdauernd überstehen sie auch Durststrecken ohne einzugehen. Zum Kleinverlegertag 2013 an der HTWK Leipzig waren drei Regionalverlage zu Gast. Sie alle eint neben der Ausdauer vor allem: die Liebe zur Region. Doch reicht diese Nische heute noch zum Fortbestand? Ein Kommentar von Marcel Knöchelmann

Regionalverlage beim Leipziger KVT

Regionalverlage beim KVT13 (© Sylvia Köllner)

Lusatia, Hinstorff und Silberburg

Gekommen waren zum diesjährigen KVT Dr. Frank Stübner vom Lusatia Verlag, Conny Ledwig vom Hinstorff Verlag und Titus Häussermann vom Silberburg Verlag. Zu Beginn sprach – wie schon in 19 Jahren zuvor – Rolf Nüthen vom Arbeitskreis kleinerer unabhängiger Verlage (AkV) des Börsenvereins. Zur Einführung zitierte er eine GfK-Studie über Regionalverlage; allerdings nicht im Allgemeinen sondern lediglich über Krimis. Darüber hinaus liegen keine belastbaren Studien vor, was den Finger in die Wunde legt, dass diese Nische generell zu wenig Beachtung findet.

Von den 2,1 Mrd. Euro, die jährlich für Belletristik ausgegeben werden, fließen etwa 705 Mio. Euro den Krimis zu und davon 82,8 Mio. Euro denen mit Regionalcharakter (12 %, bzw. 7,6 Mio. abgesetzte Regionalkrimis). Die Zahlen sind gut, doch was für das Regionale wohl bedeutender ist: Das Gros der Regionalwerke wurde in der örtlichen Buchhandlung gekauft – und nicht überregional bestellt. Wer regional liest, lebt und handelt auch regional. Das ist, was der Nische Bestand gibt; doch nicht unbedingt Wachstum oder Innovationsdrang.

Tradition bewahren und Innovation wagen?

Beim Blick in die Zukunft dürfen Themen wie Selfpublishing und mögliche Erweiterungen durch Digitalisierung nicht unbeachtet bleiben. Rolf Nüthen kommentiert, das große Thema der diesjährigen Buchmessen sei generell viel zu sehr gehypt. Gemessen an Markt und brauchbaren Endprodukten ist Selfpublishing tatsächlich noch ein Randgebiet. Ebenso ist die Konkurrenzsituation auch für Regionalverlage gering. Doch schaffen sie es, mit Inhalten Traditionen zu bewahren und währenddessen die Medien zu erweitern?

Der Rostocker Hinstorff Verlag geht mit gutem Beispiel voran. Vielleicht liegt es an der langen Verlagsgeschichte. Seit der Gründung 1831 gab es einige Trends zu bewältigen. Einerseits wird für die veraltete Homepage für Anfang 2014 ein Relaunch angekündigt. Shop und Katalog werden neu aufgezogen, sodass der wichtige Bereich Touristikliteratur belastbare SEO-Qualität bekommt. Wer Rostock-Reiseführer anbietet, sollte bei Google nicht erst auf Position acht der Seite zwei erscheinen.

Darüber hinaus bietet die Nische jedoch wenig Raum für neue Geschäftsfelder wie Social Media-Kampagnen oder Apps. E-Books werden zwar angeboten, machen aber – bspw. beim baden-württembergischen Silberburg Verlag – lediglich 1-2 % des Umsatzes aus. Neben dem fehlenden (?, Anm. der Red.) Markt mangelt es den Verlagen an Arbeitskraft; physisch aber auch im Know-How: Die Konvertierung in die digitalen Formate übernimmt jeweils Bookwire.

Regionalverlage als Hüter der Mundart

Standbein bleibt also die Bewahrung; Inhalte sind entscheidend. Nicht zu knapp wird dies beim KVT13 betont: Wer etwa als Regionalfremder im umsatzstarken Bereich Regionalkrimis mitmischen will, muss sich mindestens intensiv mit dem Lokalkolorit befassen. Nur bei Google Maps nach dem passenden Tatort zu recherchieren, wird sofort entlarvt. Sogar in Stellenausschreibungen wird die Liebe zur Region hervorgehoben: Conny Ledwig musste sich als Wahlsüddeutsche vor allem die kulturellen Gepflogenheiten Mecklenburg-Vorpommerns aneignen.

Ein zentraler Aspekt dieses Regionalen ist die Bewahrung der Mundarten; sie sind die Sprachen der Kulturen. Zu jedem Regionalverlag gehört somit die jeweilige Mundartliteratur. Doch die Zielgruppe schwindet. Neue Titel abzusetzen, ist für die Verlage schwer. Bei aller Heimatliebe muss sich auch die Mundart dem Wirtschaftlichkeitsprinzip stellen.

Verändert werden kann diese Situation nur, indem schon in der Grundschule Mundart gelehrt wird. Der Hinstorff Verlag sieht im unabhängigen Plattolio einen Anfang. Das Projekt fördert den Unterricht des Plattdeutschen und bietet passende Unterlagen zum freien Gebrauch an. Der Ansatz scheint zu stimmen. Hamburger Schulen nehmen das Lehrgebiet an. Die Ergebnisse können jedoch erst in Jahren überprüft werden und bei anderen Dialekten wie dem Oberlausitzer fehlt solch ein Projekt gänzlich. Dr. Frank Stübner sieht mitunter dadurch eine eher defätistische Zukunft für seinen Lusatia Verlag.

Regionalverlage Dank

Dank an die Regionalverlage (© Marcel Knöchelmann)

Es bleibt beim Bildnis des Verlags als Kaktus

Insgesamt vertrauen sich die Regionalverlage allerdings einer beständigen Zukunft an. Auflagen von 2.000 bis 5.000 Exemplaren und sogar Bestseller mit bis zu 135.000 Exemplaren („Laugenweckle zum Frühstück“) bei 40 bis 70 Neuerscheinungen pro Jahr werden gekonnt kalkuliert und sicher abgesetzt. Kein Vergleich zu den Großen – aber eine sichere Basis. So verbleiben Regionale als wichtiger Bestandteil der Unabhängigen in Deutschland. Der Hinstorff Verlag gehört übrigens faktisch zur Heise Mediengruppe, agiert aber praktisch unabhängig und darf so trotzdem beim AkV mitspielen.

Zum Abschluss des KVT13 gab es von den Organisatoren natürlich den Klassiker: Ein Kaktus mit Slogan – Synonym für die Beschenkten. Hier noch einmal für alle der Dank und das Weggeleit des Studiengangs Buchhandel/Verlagswirtschaft der HTWK:

Durchhalten, Stacheln zeigen und auch auf Durststrecken nicht verzagen.

Das gilt für den Kaktus wie auch bei Verlagen.

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