Tag: Literaturgeschichte (page 1 of 2)

Charles Dickens Christmas Carol | Das 24. Türchen

Das Ende des literarischen AdventskalendersSie haben Ihr Ziel erreicht: Mit dem 24. Türchen endet der literarische Adventskalender und Weihnachten darf genossen werden. All die schönen Bücher, die beschriebene Besinnlichkeit und Lesezeit warten nun. Das Türchen offenbart außerdem unseren letzten Typoeten für dieses Jahr: Charles Dickens. Es gäbe wohl keinen Dichter, der an Weihnachten besser passte.

Charles Dickens Weihnachtslied in Prosa

Charles Dickens als Typoet

Charles Dickens als Typoet

Charles Dickens Weihnachtsgeschichte ist der Klassiker unter den Erzählungen, die zu Weihnachten vorgelesen, gesehen oder nacherzählt werden. Es gibt sie in zahlreichen Varianten, von Hörspielen über Bühnenfassungen bis hin zu Filmen – und selbstverständlich in verschiedenen Übersetzungen das Buch selbst. Wo der Geschmack die Geister scheiden mag, bleiben sich alle, die die Geschichte kennen, bei einer Sache gleich: A Christmas Carol ist Literatur, die zeitlos schön ist.

Ebenezer Scrooge und Weihnachten

Die drei Geister, die den Kauz und Menschenhasser Ebenezer Scrooge heimsuchen, haben sich in vielen Köpfen festgebrannt, seit sie die Geschichte hörten.  Dabei ist oft noch nicht einmal bekannt, dass Charles Dickens hinter diesem Werk steckt. Jedoch lohnt es sich, einmal die Originallektüre zu lesen. Sie ist weder ausladend noch langatmig und schon gar nicht penetrant weltverbessernt. A Christmas Carol betört durch die geradlinige Erzählung und lebt durch die lebendige Sprache, in der Dickens all seinen Werke zu verfassen wusste.

Und wenngleich diese Beschreibung überholt klingt, hier trifft sie passend: Das Werk hat nicht an Aktualität verloren. Der Groll der Gesellschaft auf sich selbst scheint nur gewachsen zu sein. Wie jedes Jahr bleibt zu hoffen, dass die Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht zum Mahnen erscheinen. Wenn nicht real, dann doch wenigstens gedruckt.

LePublikateur wünscht ein frohes Weihnachtsfest!

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Letzte Sätze in der Literatur | Das 23. Türchen

Literaturgeschichte zur AdventszeitDas 23. Türchen untersucht das Pendant zum Anfang des LePublikateur Adventskalenders: Letzte Sätze in der Literatur. Während der Beginn von Romanen den Leser in die Geschichte wirft, holt das Ende ihn nicht zwingend wieder heraus. Vielmehr liegen in den letzten Sätzen ganz eigene Schätze, die eine Vielzahl von Deutungen und Fragen nach sich ziehen; und die mitunter die sprachlich schönsten Stellen des Buches überhaupt sind. Achtung Spoiler…

Die Schönheit im Abgang

Am Anfang ist das Wort, dann kommt die Erzählung und am Ende das Schöne. Philip Roths Romane definieren sich hauptsächlich durch ihren Inhalt und die direkte Sprache. Seine Größe liegt jedoch mindestens genauso in der schönen Formulierung; wahrscheinlich, weil sie so direkt ist, dabei aber auf nichts verzichtet. So kommt es in ‘Jedermann‘ nach einer schlichten, aber vernichtenden Parabel zu dem grandiosen Schlussakkord: “Er war nicht mehr, befreit vom Sein, ging er ins Nichts, ohne es auch nur zu merken. Wie er es befürchtet hatte von Anbeginn.”

Sprachlichen Schwung und Schliff wie diesen kennt man sonst hauptsächlich aus der Lyrik. Hier liegt in jedem Werk – und in jedem Wort und Satz darin – eine Kraft und Überzeugung, die bei Romanen allzuoft vermisst wird. So steht ‘Schubertiana‘ von Tomas Tranströmer beispielhaft für eine Gattung, die im Kleinen eine große Renaissance entwickelt. Die Schubertiana endet mit ewigem Nachhall:

“Das eigensinnige Summen, das uns gerade jetzt
die Tiefen
hinaufbegleitet.”

Dem Leser Hausaufgaben mitgeben

Poetisch endet auch ‘Faserland‘ von Christian Kracht. Der Roman, der als Höhepunkt und Ende der Popliteratur gefeiert wird und im Grund doch nicht in dieses Genre passt, gibt dem Leser Hausaufgaben auf, wenn der Erzähler in Zürich mit den Worten endet: “Ich steige ins Boot und setze mich auf die Holzplanke, und der Mann schiebt die Ruder durch diese Metalldinger und rudert los. Bald sind wir in der Mitte des Sees. Schon bald.”

Imposant schließt dagegen der ‘Zauberberg‘. Nachdem in sieben Teilen die Welt analysiert, philosophische Betrachtungen abgewogen und in unzählbaren Metaphern und Symbolen der Mensch und sein Dasein positioniert wurden, bricht der Erste Weltkrieg herein und zerstört die teuer erlesene Menschlichkeit. Die Frage bleibt, was Leben ist und ob es sich jemals wieder aus den Trümmern erheben werde; aus den Trümmern der Schlachtfelder, die Hans Castorp verschlingen: “Wird auch aus diesem Weltfest des Todes, auch aus der schlimmen Fieberbrunst, die rings den regnerischen Abendhimmel entzündet, einmal die Liebe steigen?”

Letzte Sätze bei LePublikateur

Der überragende letzte Satz kommt von Lew Tolstoi

Mit ähnlich biblischer Wucht schließt auch ‘Moby Dick‘. Die Welt ist die gleiche, nach 1.000 Seiten Walfang. Aber der Leser ist es nicht, nachdem ihm Ahab, der weiße Wal, Starbuck und Elias begegnet sind. Wenn sich dann die Wogen der Wellen glätten, bleibt einer zurück, um der Nachwelt zu berichten. Ismael, der damit abschließt: “Am zweiten Tage stand ein Segel auf mich zu, kam näher und nahm mich auf. Es war die umherirrende Rachel – auf der Suche nach ihren verschollenen Kindern fand sie nur eine weitere Waise.”

Der letzte Satz als echter Abschluss

Zum Schluss bleibt nur der eine Satz, der das Kapitel über die letzten Sätze beenden kann; aus dem Roman, der auch schon den wichtigsten ersten Satz lieferte: ‘Anna Karenina‘. Lew Tolstoi lässt Lewin über sein Leben nachsinnen. Nachdem diesem im Laufe seiner Heldenreise die Schönheit der Natur, der Kommunismus, der Mensch als Feind und der Mensch als Freund begegnet sind; und er sich der Prüfungen unterziehen musste, Menschen zu führen und um Menschen zu werben; bricht über ihn letztendlich doch das Glück herein und er erkennt einen Sinn, der eigentlich in jedem Leben stecken sollte:

“Und mag ich auch in Zukunft bleiben, wer ich bin: ausfahrend gegen den Kutscher, unbedacht im Gespräch mit den Freunden, das heiligste meiner Seele verschliessend vor anderen, selbst vor ihr, die mir am nächsten steht, mag ich sie strafen wollen für meine eigene Angst und es hinterher bereuen, mag ich zweifeln an meinem Gebet und doch fortfahren zu beten – von nun an, weiß ich, wird mein Leben, wie immer es sich gestalten möge, doch niemals mehr zwecklos sein können wie bisher.Sondern es wird haben, was ihm fehlte, den unzweifelhaften Sinn, der es in jedem seiner Augenblicke über sich selbst hinaushebt: den Sinn des Guten, den hineinzulegen in meiner Macht steht.”

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Schauerliteratur: Faszinierender Horror | Das 16. Türchen

Literarischer Adventskalender mit SchauerliteraturDas 16. Türchen des LePublikateur Adventskalenders eröffnet die Welt zur Schauerliteratur. Sie ist bedeutend mehr als nur Groschenroman und reicht weit in die Literaturgeschichte zurück. Das macht sie aber nicht zu einem alten Schinken. Viele der aktuell umsatzstärksten Genres fußen auf der klassischen Schauerliteratur – und der Atmosphäre, die sie umgibt. Denn die Literatur ist oft nur Darstellung einer möglichen Gegenwart.

Traum und Albtraum der Romantiker

Angst und Schrecken zu verbreiten, ist heute ein Kinderspiel. Schockmomente, blutrünstige Auftritte oder schon das Poltern und Zischen eines Dampfkessels können sowohl in Filmen als auch in Büchern für anhaltende Spannung sorgen. Wenn dem Schöpfer der Horror gut von der Hand ging, reicht die Angst noch weit über das Werk hinaus; bis nachts, im dunklen Zimmer, wenn irgendwo ein Zweig an einem Fenster kratzt, dann droht das vermeintlich sichere Bett rasch eine ungemütliche Opferstätte zu werden.

Schauerliteratur - Großartige Zeitzeugen

Schauerliteratur – Großartige Zeitzeugen (© Titel der jeweiligen Verlage)

Gerade der Winter lädt dazu ein, Klassiker des Genres (und seiner Randgebiete) wieder zu entdecken. Es lohnt sich, dort anzufangen, wo der Schauerroman in weite Leserkreise gelangte: bei Mary Shelleys ‘Frankenstein’. Das von Viktor Frankenstein erschaffene Monster behandelt gleich das Dilemma, dass so oft zum Sujet des Schauerromans wurde; der Eingriff des Menschen in die Natur mit der daraus resultierenden Zerstörung. Dabei ist es nicht die Natur, die zerstört, sondern der Mensch selbst, der dem erschaffenen Wesen Vorbild und Spiegel ist. Auch H.G. Wells bedient sich dieses Themas und schuf daraus den Horrorklassiker ‘Die Insel des Dr. Moreau‘.

Schauerliteratur als Spiegel der Wirklichkeit

E.T.A. Hoffmann beschreibt in ‘Der Sandmann‘ einen ähnlichen Eingriff in die Natur: Eine Puppe geht unter die Lebenden und verdreht Nathanael den Kopf. In den Augen erkennt er die Maschinerie des Bösen und kann sich trotzdem nicht lösen, bis er an dem Geschöpf zu Grunde geht. Der Sandmann ist mit zahlreichen Motiven der wohl vielschichtigste Roman seiner Art. Augen, Feuer, Leben, Liebe, Aufklärung, Romantik, Horror; was der arme Nathanael nicht alles ertragen muss.

Auch heute noch gibt es Horror als Schauer, fernab aller Blutrunst. Der Künstler Ror Wolf etwa schuf ein faszinierend schönes Buch bei Schöffling & Co. ‘Die Vorzüge der Dunkelheit’ bietet mit heute ungewöhnlichem Sprachgebrauch eine Fantastik, die aufwühlt und länger die Gedanken umtreibt als ein Halloween-Blockbuster. Sei es wegen der schönen Collagen im Buch; oder aber: wegen der Nähe zur Realität, die einem bisweilen die eigene Sprache verschlägt:

“Einige Jahre später sah ich zum Fenster hinaus und bemerkte, dass ich mich in einer ganz anderen Gegend befand. Vielleicht war ich im Norden von Nord-Amerika, das ist möglich. Das Land war von Wäldern bedeckt und mit dunklen gefräßigen Tieren gefüllt. Die Bewohner hielten sich weit entfernt voneinander auf. Man sah sie stehen, einzeln, in großen Abständen, stumm.” (S. 270)

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Poetische Pseudonyme | Das 15. Türchen

Literarischer Advent - Poetische PseudonymeZum dritten Adventssonntag öffnen wir ein Türchen zu poetischen Pseudonymen. Was sich zu Schulzeiten noch wie eine schlimme Verhaltensstörung anhörte, bedeutet für die Literatur ein unterhaltsames Paralleluniversum. Viele große Dichter tarnten sich mit Kunstnamen, um zu verschleiern wer sie wirklich waren – aus Angst vor mordlustigen Lesern, wegen besserer Verkäuflichkeit oder einfach, weil es sich leichter merken lässt.

Pseudonyme als Gewand

In Zeiten von Krieg und Diktatur sind untreue Schriftsteller Dornen am Gewehrlauf der Oberen. Gefährlich wird es jedoch, wenn die spitze Feder zugeordnet werden kann. Anlass genug, ein Gewand zu schnüren, dass das geschriebene Wort weit vom Dichter fortweist. Pseudonyme als Schutzhülle haben einigen Autoren die Möglichkeit zur Publikation gegeben, womöglich ihr Leben gerettet und der Nachwelt kritische Literatur von Rang hinterlassen.

Pseudonyme als Deckmantel

Pseudonyme – Den Dichter verschleiern

Unter den Gewändern sind etwa Berthold Bürger (Erich Kästner), Peter Panther, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel (alle von Kurt Tucholsky) oder Hans Fallada (Rudolf Ditzen). Rein geschichtlich sind erdachte Autorennamen allerdings nicht. Unter dem Namen Yasmina Khadra erscheinen beispielsweise die Romane von Mohammed Moulessehoul.

Anders, aber doch als Mantel gegen widrige Umstände, wirken die Decknamen von Dichterinnen, die nicht Dichterinnen sein durften oder von jenen Schriftstellern, die durch einen neuen Namen ihrer Herkunft und Heimat entfliehen wollten. Da sind etwa George Eliot (Mary Ann Avans), Ellis und Acton Bell (Emily und Anne Brontë), Pablo Neruda (Neftalí Ricardo Reyes Basoalto), A Lady (Jane Austen) oder Jack London (John Griffith Chaney).

Ein Pseudonym für die Literatur

Es gibt auch unbekannte Pseudonyme…

Nom de plume

Angeblich ohne Sinn oder zumindest mit umstrittenem Hintergrund sind die Pseudonyme zahlreicher weiterer Dichter. Joachim Ringelnatz etwa hat nach Aussagen des Dichters selbst überhaupt keinen Sinn. Das heißt natürlich nicht, dass Hans Böttichers Name nicht durch alle Mangeln gezogen wird.

Gut verkäuflich sind Pseudonyme selbstverständlich auch: Man kann besser vom gestandenen Werk ablenken. Richard Bachman ist so ein Fall (Stephen King). Oder Robert Galbraith (Joanne K. Rowling). Während King jedoch Jahre verdeckt publizierte, dauerte die Entlarvung bei der Potter-Schöpferin keine drei Monate.

Es gibt allerdings auch Noms de plume, die selbst Kunst geworden sind. Sie sind nicht bloß Namenshülse, sondern untrennbar mit der Literatur dahinter verwoben. So etwa (unter anderem) Voltaire (Francois Marie Arouet), Janosch (Horst Eckert), Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg), Mark Twain (Samuel Langhorne Clemens) oder Stendhal (Marie Henri Beyle). Und was wäre Janosch ohne Janosch oder Stendhal ohne Stendhal…

 

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Literatur unter der Lupe | Das zwöflte Türchen

Literaturgeleit zur WeihnachtszeitDas zwöflte Türchen bedeutet die Hälfte des Adventskalenders. Nur noch einmal so lang und schon ist Weihnachten. Zeit für Eusebius Schabernack in die Mitte der Literatur zu schauen – Sätze, Wörter, Buchstaben. Das Gewöhnliche, das Mittelmaß? Nicht doch – Schabernack treibt es auf die Spitze: Die längsten Sätze, die häufigsten Wörter und wichtigsten Buchstaben.

Literatur unter der Lupe

Beginnen wir mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner: Q. Das Q ist der seltenste Buchstabe der deutschen Sprache. Seine Häufigkeit bewegt sich im Hundertstel-Prozent-Bereich. Es geht dann weiter mit dem X bei 0,03 %, Y, J; das ß ist immerhin an fünfter Position der seltensten Buchstaben.

Viel wichtiger ist aber, dass das E mit über 17 % der am häufigsten genutzte Buchstabe ist. Mit weitem Abstand folgen bei unter 10 % N, I, usw. Bei Anfangsbuchstaben von Lexika ist übrigens S Spitzenreiter. Logischerweise sollte das S im Daumenregister also den größten Balken einnehmen.

Von Wörtern und Worten

Bei den Wörtern führen der, die und und (in deutschen Texten selbstverständlich). Auch die folgenden Plätze werden mit knappen Nutzwörtern gefüllt. Wesentlich interessanter ist dagegen, was sich bei den wichtigsten Substantiven abspielt: dort steht die Mark weit vorm Euro, die Stadt vor Berlin, der Mensch vor dem Unternehmen und die Frau vor dem Mann. Letzteres Paar steht allerdings dicht beieinander – hat eben was Soziales, die Sprache, die Literatur.

Gesetzte Typen für die Literatur

Wo endet bloß der Satz, in dieser Bleiwüste?

Interessant ist darüber hinaus, wo die meisten Rechtschreibfehler auftreten. Denn man fröhnt nicht einem Bisquit oder gibt sich dilletantisch in Extase. Auch Gebahren einer Prophezeihung ist so falsch wie der Pappenstil eines narzistischen Pieksens in Lybien. Zehn Fehler gefunden? Auflösung unten.

Die Sätze der Krönung

Die Durchschnittslänge eines Satzes ist 13 Wörter. Das allein ist jedoch keine aussagekräftige Zahl. Denn erst im Vergleich sieht man bestätigt, was man als Schüler und Student schon unter Qualen kommen sah: Mit 25 bis 28 Wörtern pro Satz produzieren Sprachwissenschaftler durchschnittlich die längsten Sätze. Eine Frechheit, die Leser dermaßen zu Quälen. Aber mit der Zeit sieht man wohl den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Will heißen: Der Profi verliert den Blick auf die Schönheit der Sprache. Sätze mit Prägnanz; Sätze auf den Punkt.

Victor Hugo schafft das zwar auch nicht, Prägnanz, dafür dehnt er wenigstens schöne Sprache auf Länge aus: 823 Wörter erreicht sein längster Satz in ‘Les Misérables’. Nur geschlagen vom zweiten Schrecken der Anglistik-Studenten: James Joyce ‘Ulysses’. Mit 12.931 Wörtern führt er den längsten Satz im Repertoire. Eine großartige Leistung. Man kann aber auch leichter Literatur lesen. Mark Twain etwa schreibt schön und knapp, kurzweilig und nie ermüdend. Sein bekanntestes Werk beginnt schlicht mit:

“Tom!”

 

Hier die richtigen Wörter:

  • frönen
  • Biskuit
  • dilettantisch
  • Ekstase
  • Gebaren
  • Prophezeiung
  • Pappenstiel
  • narzisstisch
  • piksen
  • Libyen

 

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Geschichte des E-Books in 111 Wörtern | Das achte Türchen

LePublikateurs AdventskalenderDas achte Türchen des LePublikateur Adventskalenders birgt einen besonderen Schatz: Die Geschichte des E-Books in 111 Wörtern. Sie ist Historiendarstellung und Erzählung zugleich; Abhandlung wie Miniatur. In ihr vereinen sich Philosophie, Narration und bibliophil-digitales Manifest – weil es insbesondere zu Weihnachten wichtig ist, Seit’ an Seit’ friedfertig zusammenzuleben.

Seite an Seite | Eine Geschichte des E-Books in 111 Wörtern

Die Typen ärgerten sich bleischwarz, als der Computer kam; das Buch applaudierte mit allen Seiten. Denn die Informationsgesellschaft erkannte, Text kann digital sein. Es kamen Auszeichnungssprachen und Pdfs, standardisierte Speichermedien und das World Wide Web. Die Bücher vermehrten sich und mit ihnen die Leser in allen Teilen der Welt. Drucktypen wurden zu Kunst degradiert.

Der OYO E-Reader

Der aufstrebende Athlet

Dann kam das elektronische Papier und mit ihm der Untergang der Friedfertigkeit. Digital war plötzlich gut lesbar. Amazon trat heroisch hervor, den Markt zu eröffnen und die Verlage zur E-Book-Produktion zu knechten. Dass der Markt dankend annahm, ist bis heute ein Dorn im Auge der Verlagsurgesteine. Hahnenkämpfe, Unkenrufe, Todesopfer – Wirtschaft ist ein hartes Pflaster. Krieg tei…

 

Halt, nein. 111 Wörter sind um. Die Entstehung des E-Books ist schon lange vorbei, der Rest ist Wettbewerb. Und das E-Book lebt zufrieden Seite an Seite mit seinem Print-Pendant.

Die Frithjofssage und das E-Book

Seite an Seite die Sticheleien des Marktes ertragen

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Doktor Schiwago | Das siebte Türchen

LePublikateurs LiteraturgeleitDas siebte Türchen des LePublikateur Adventskalenders entdeckt ein Buch neu, das hinter seiner bekannten Filmbearbeitung verloren ging; einem Blockbuster der sechziger Jahre, Julie Christie und Omar Sharif in den Hauptrollen sowie bestimmte Bilder und Eindrücke, die an die des Buches heranreichen – jedoch niemals die Geschichte von Juri Schiwago erzählen können.

Boris Pasternak schnürt einfache Worte

Boris Pasternak begann nach dem Zweiten Weltkrieg, die vergangenen 50 Jahre Russlands in einfachen Worten widerzugeben. Es sollte nicht um heroische Protagonisten, um die Details der Kriege oder die versagenden Revolutionen gehen. Der entstehende Roman sollte von ein paar Menschen handeln, die diesen widrigen Zeiten die Stirn bieten. Letztendlich entstand ein Roman, der im eigenen Land verboten wurde, wie es derlei Literatur allzuoft widerfährt.

Über einen georgischen Freund kam das Manuskript nach Italien, wo es bei Felltrinelli verlegt wurde. Kaum zehn Jahre später flimmerte die Geschichte als Epos über die Mattscheiben, mit Kitsch angefüllt und nicht mehr in einfache Worte gefasst. Das ist das Bild, das bis heute besteht. Der Film ist nicht schlecht, aber er wird der Geschichte nicht gerecht.

Boris Pasternaks Doktor Schiwago

Boris Pasternak mit Lettern gezeichnet (© Knöchelmann)

Doktor Schiwago als Mensch zwischen versagenden Mächten

Juri Schiwago ist mehr als ein Pendant zu Anna Karenina. Er ist mehr als der Charakter, der eine neue Liebe sucht und aus erstarrten Gesellschaftszügen ausbricht. Juri Schiwago ist der Mensch, der unter Kriegern und Machtergreifungen Mensch bleibt, der in der Verbannung Liebender und die Hoffnung eines Volkes ist, dass von gemachten Autoritäten in immer wieder neue Formen gepresst wird. Formen, die ein Russland darstellen sollen, dass die russischen Menschen nie waren.

In diesen Wirren besteht Juri Schiwago als ein Hoffen, wenngleich jeder seiner Wege ihn aus seinem Leben reißen kann. Sei es aus Zufall oder Strafe, der Mensch kann nur Herr seiner eigenen Entscheidungen sein. In den letzten Worten des Buches nimmt Pasternak Bezug darauf, wenn er vom Opfertod im Garten Gethsemane schreibt, wo ein Mensch für diejenigen starb, die um ihn her irrten:

Aus Doktor Schiwagos Gedichten: Garten Gethsemane

Die Seite hier im Buch des Lebens
Ist heiliger als alle andern.
Erfüllung will nun, was geschrieben.
Erfülle es sich. Amen.

Du siehst Jahrhunderte im Gleichnis
Und aus dem Laufe jäh entfacht.
Im Namen seiner Schreckensgröße
Wähl ich den Marterweg ins Grab;

Um aufzustehn am dritten Tage.
Und wie Kähne in des Stroms Geleit
Ziehn vors Gericht, das ich dann halte,
Jahrhunderte aus ihrer Dunkelheit.

 

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Knecht Ruprecht | Das Nikolaustürchen

LePublikateurs NikolaustürchenZu Nikolaus, dem sechsten Türchen des LePublikateur Adventskalenders, gibt es ein klassisches Nikolausgedicht. Generationen von Menschen sind mit diesem Gedicht aufgewachsen, kennen es auswendig und wissen sofort, was kommt, wenn es heißt: Von drauß’ vom Walde komm ich her… Theodor Storm hat mit diesem Gedicht von 1862 Knecht Ruprecht in einen Dialog mit dem Christkind gestellt. Wie der Weihnachtsmann heute von Coca Cola geprägt ist, war es früher das Knecht Ruprecht von Theodor Storm. Und ist es bisweilen noch heute.

 

Theodor Storms Knecht Ruprecht

Der deutsche Dichter Theodor Storm aus Lettern gesetzt (© Knöchelmann)

Knecht Ruprecht von Theodor Storm

Ruprecht:

Habt guten Abend, alt und jung,
Bin allen wohl bekannt genung.

Von drauß’ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor;
Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
»Knecht Ruprecht«, rief es, »alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt’ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!«
Ich sprach: »O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.«
– »Hast denn das Säcklein auch bei dir?«
Ich sprach: »Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern.«
– »Hast denn die Rute auch bei dir?«
Ich sprach: »Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.«
Christkindlein sprach: »So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!«

Von drauß’ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Vater:

Die Kinder sind wohl alle gut,
Haben nur mitunter was trotzigen Mut.

Ruprecht:

Ei, ei, für trotzgen Kindermut
Ist meine lange Rute gut!
Heißt es bei euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?

Vater:

Wie einer sündigt, so wird er gestraft;
Die Kinder sind schon alle brav.

Ruprecht:

Stecken sie die Nas auch tüchtig ins Buch,
Lesen und schreiben und rechnen genug?

Vater:

Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
Wir hoffen zu Gott, daß es endlich schafft.

Ruprecht:

Beten sie denn anch altem Brauch
Im Bett ihr Abendsprüchlein auch?

Vater:

Neulich hört ich im Kämmerlein
Eine kleine Stimme sprechen allein;
Und als ich an die Tür getreten,
Für alle Lieben hört ich sie beten.

Ruprecht:

So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuß;
Probiert einmal von seinen Gaben,
Morgen sollt ihr was Besseres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
Nun schlafet sanft, habt gute Nacht.

 

 

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Ewige Bestseller | Das vierte Türchen

Tür vier des AdventskalendersZum vierten Türchen von LePublikateurs Adventskalender erörtert Eusebius Schabernack die Welt der Bestseller. Doch der Spiegel ist nicht genug. Die ewigen Bestseller sollen es sein. Ein großes Unterfangen mit erstaunlichem Ausgang.

Klassiker als ewige Bestseller

Der traditionelle Klassiker eignet sich nicht als ewiger Bestseller. So viel vorab. Es sind nicht die Tolstois, Dostojewskis oder Twains, die die Spitzenplätze ausmachen. Wer hätte auch gedacht, dass große Literatur nach weit oben kommt, wenn es doch Literaturpreise gibt, damit die große Literatur wenigstens saisonal mal bekannt wird. Nur ein paar haben es annähernd in die schwindelerregenden Millionenauflagen gebracht.

Darunter ist etwa das Gesamtwerk, das in einem Erdloch beginnt: ‘Der kleine Hobbit’ und ‘Der Herr der Ringe’, mit je etwa 100 und 150 Millionen verkauften Exemplaren. Wichtiger Fakt hier: Tolkiens Hauptwerk schafft es in diese Liste, weil ‘Der Herr der Ringe’ ein Roman ist – und nicht eine Trilogie aus drei Romanen.

Ein gutes Stück vor dem Fantasy-Schlager liegen zwei Bücher Kopf an Kopf: ‘Eine Geschichte aus zwei Städten‘ und ‘Der kleine Prinz’. Dickens Werk ist hier eine kleine Sensation. Denn dieses Buch ist weder das bekannteste noch das – wohl subjektiv – schönste oder wirkungsvollste. Trotzdem begeistert es Massen: 200 Millionen Exemplare wurden abgesetzt, genauso wie vom kleinen Prinzen, der auszog, den Menschen das Denken mit dem Herzen zu lehren.

Politik und Religion: Die echten Bestseller

Das wirkliche Maß der Dinge fängt bei Harry Potter an. Mit geschätzten 400 Millionen Exemplaren kratzt der Zauberlehrling am Podest der Weltstars: Mao und Jesus. Die ‘Worte des Vorsitzenden Mao’ etwa sind mit mehr als einer Milliarde Exemplaren eine echte Cash Cow. Nur geschlagen werden kann das von der Bibel, die es Hochrechnungen zufolge auf bis zu drei Milliarden Exemplaren schafft. Und schließlich ist es die Weihnachtszeit, die in diesem Buch der Bücher ihren Ursprung findet. Und in Coca Cola – aber vom Wesen her ist es das Christkind, das zählt.

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Letzte Worte | Das zweite Türchen

Das zweite Türchen des LePublikateur AdventskalendersWas gibt es in der Weihnachtszeit Erhellenderes als mehr Licht? Mit dem zweiten Türchen öffnet Eusebius Schabernack den Zitateschatz letzter Worte und erinnert uns an die Dichter, die sie sagten. Zudem bedankt er sich bei der stillen Post, die uns wohl das Gros dieser Zitate überliefert hat.

Literarische letzte Worte

Wie schon eingangs beleuchtet, Mehr Licht! ist erhellend. Goethe, Dichterfürst der Deutschen, soll diesen Ausruf auf dem Sterbebett gerufen, gehaucht oder gegebenenfalls anders dargeboten haben. Die letzten Biografen, darunter Rüdiger Safranski, können das jedoch nicht bestätigen. Trotzdem halten viele Literaturliebhaber an diesem Ausdruck fest; vielleicht, weil das Zitat so leicht zu merken ist.

Fünf Jahre nach Goethe starb dann der italienische Dichter Giacomo Leopardi. Vielleicht war es eine Anspielung auf den Geheimrat – vielleicht einfach Zufall. Seine Worte sollen gewesen sein: Öffne das Fenster, lass mich das Licht sehen. Mehr Licht gibt es bei Victor Hugo ganz anderer Art, dann die letzten Worte des französischen Nationaldichters klingen wesentlich defätistischer: Ich sehe schwarzes Licht.

Wirkungsvolle Schlusspunkte

Eusebius ergründet "Letzte Worte"

Wesentlich markanter und mit mehr Sinn behaftet (zumindest für die Nahestehenden), sind die letzten Worte von Oscar Wilde, Sir Arthur Conan Doyle oder Karl I. von England. Gut, Karl war kein Literat, aber mit seinem Bekenntnis: I am the martyr of the people; hat der Regent dem Volk das letzte Mal seine Meinung kundgetan, um hernach hingerichtet zu werden.

Oscar Wildes Schlusspunkt ist wiederum eine Anekdote für sich. Als Wilde nach einem Gefängnisaufenthalt an einer Mittelohrentzündung erkrankte, wurde ihm in einem Pariser Hotel das beste Zimmer hergerichtet. Dort erwuchs seine Krankheit zu einer Hirnhautentzündung, die schließlich zum Tod führte. Den Überlieferungen zufolge war dem irischen Dandy das Zimmer wohl doch nicht gut genug. Sein letzter Kommentar war angeblich: Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.

Sir Arthur Conan Doyle ging als britischer Gentleman, wie es seine literarischen Figuren nicht charaktervoller hätten schaffen können. Er richtete seine letzten Worte an seine Ehefrau. Sie lauten schlicht:

Du bist wunderbar.

 

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