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Literatur zwischen den Jahren – Goodbye Schabernack

Die Adventszeit ist vorbei, die fette Weihnachtsgans vertilgt und die Geschenke überreicht. Wer sich nicht mit den zahlreichen Bilanzen und Jahresrückblicken zufrieden geben will, kann hier noch einmal die beliebtesten Türchen des LePublikateur Adventskalenders nachverfolgen – Literaturgeleit von Lesern erlesen. Gleichzeitig gibt Eusebius Schabernack – der Kopf hinter den Türchen – die Tastatur ab, bis er 2014 wieder die Literatur und ihre Medien mit Humor auf den Bildschirm bannen wird.

Die besten Artikel: Am meisten geklicktLePublikateurs Adventskalender

Am meisten geklickt wurde das 13. Türchen: Aus dem Leben eines Buchhändlers (zum Artikel). Die Pannen und Tücken des Buchhändlerjobs sind insbesondere Buchhändlern selbst Freud und Leid. Dieses im Geschäft und jenes in den zahlreichen Foren und Facebookgruppen, in denen der unwissende Kunde aufs Korn genommen wird.

Die dichten Folger sind das erste und das vorletzte Türchen. Sie behandeln bedeutende erste Sätze (zum Artikel) und deren Pendants letzter Sätze der Literatur (zum Artikel). Vertreten sind hier grimmige, poetische, kraftvolle und stille Beispiele aus der Weltliteratur – mit einem Schriftsteller, der Anfang und Abschluss einbringt.

Auch oft geklickt: Die kurzweilige Geschichte des E-Books in 111 Wörtern (zum Artikel) – Glanzstück der Geschichtsschreibung und bibliophil-digitales Manifest in einem.

Literatur zwischen den Jahren

Weitere empfohlene Artikel sind:

Eine Klasse für sich: Die LePublikateur Typoeten

Die LePublikateur Typoeten haben besonderen Anklang gefunden. Im Adventskalender sind insgesamt fünf Typoeten erschienen. Hier finden Sie noch einmal alle versammelt – gerne weiterverwenden!

Literatur zwischen den Jahren: Typoeten

Literatur zwischen den Jahren: Typoeten

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Literatur unter der Lupe | Das zwöflte Türchen

Literaturgeleit zur WeihnachtszeitDas zwöflte Türchen bedeutet die Hälfte des Adventskalenders. Nur noch einmal so lang und schon ist Weihnachten. Zeit für Eusebius Schabernack in die Mitte der Literatur zu schauen – Sätze, Wörter, Buchstaben. Das Gewöhnliche, das Mittelmaß? Nicht doch – Schabernack treibt es auf die Spitze: Die längsten Sätze, die häufigsten Wörter und wichtigsten Buchstaben.

Literatur unter der Lupe

Beginnen wir mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner: Q. Das Q ist der seltenste Buchstabe der deutschen Sprache. Seine Häufigkeit bewegt sich im Hundertstel-Prozent-Bereich. Es geht dann weiter mit dem X bei 0,03 %, Y, J; das ß ist immerhin an fünfter Position der seltensten Buchstaben.

Viel wichtiger ist aber, dass das E mit über 17 % der am häufigsten genutzte Buchstabe ist. Mit weitem Abstand folgen bei unter 10 % N, I, usw. Bei Anfangsbuchstaben von Lexika ist übrigens S Spitzenreiter. Logischerweise sollte das S im Daumenregister also den größten Balken einnehmen.

Von Wörtern und Worten

Bei den Wörtern führen der, die und und (in deutschen Texten selbstverständlich). Auch die folgenden Plätze werden mit knappen Nutzwörtern gefüllt. Wesentlich interessanter ist dagegen, was sich bei den wichtigsten Substantiven abspielt: dort steht die Mark weit vorm Euro, die Stadt vor Berlin, der Mensch vor dem Unternehmen und die Frau vor dem Mann. Letzteres Paar steht allerdings dicht beieinander – hat eben was Soziales, die Sprache, die Literatur.

Gesetzte Typen für die Literatur

Wo endet bloß der Satz, in dieser Bleiwüste?

Interessant ist darüber hinaus, wo die meisten Rechtschreibfehler auftreten. Denn man fröhnt nicht einem Bisquit oder gibt sich dilletantisch in Extase. Auch Gebahren einer Prophezeihung ist so falsch wie der Pappenstil eines narzistischen Pieksens in Lybien. Zehn Fehler gefunden? Auflösung unten.

Die Sätze der Krönung

Die Durchschnittslänge eines Satzes ist 13 Wörter. Das allein ist jedoch keine aussagekräftige Zahl. Denn erst im Vergleich sieht man bestätigt, was man als Schüler und Student schon unter Qualen kommen sah: Mit 25 bis 28 Wörtern pro Satz produzieren Sprachwissenschaftler durchschnittlich die längsten Sätze. Eine Frechheit, die Leser dermaßen zu Quälen. Aber mit der Zeit sieht man wohl den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Will heißen: Der Profi verliert den Blick auf die Schönheit der Sprache. Sätze mit Prägnanz; Sätze auf den Punkt.

Victor Hugo schafft das zwar auch nicht, Prägnanz, dafür dehnt er wenigstens schöne Sprache auf Länge aus: 823 Wörter erreicht sein längster Satz in ‘Les Misérables’. Nur geschlagen vom zweiten Schrecken der Anglistik-Studenten: James Joyce ‘Ulysses’. Mit 12.931 Wörtern führt er den längsten Satz im Repertoire. Eine großartige Leistung. Man kann aber auch leichter Literatur lesen. Mark Twain etwa schreibt schön und knapp, kurzweilig und nie ermüdend. Sein bekanntestes Werk beginnt schlicht mit:

“Tom!”

 

Hier die richtigen Wörter:

  • frönen
  • Biskuit
  • dilettantisch
  • Ekstase
  • Gebaren
  • Prophezeiung
  • Pappenstiel
  • narzisstisch
  • piksen
  • Libyen

 

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Geschichte des E-Books in 111 Wörtern | Das achte Türchen

LePublikateurs AdventskalenderDas achte Türchen des LePublikateur Adventskalenders birgt einen besonderen Schatz: Die Geschichte des E-Books in 111 Wörtern. Sie ist Historiendarstellung und Erzählung zugleich; Abhandlung wie Miniatur. In ihr vereinen sich Philosophie, Narration und bibliophil-digitales Manifest – weil es insbesondere zu Weihnachten wichtig ist, Seit’ an Seit’ friedfertig zusammenzuleben.

Seite an Seite | Eine Geschichte des E-Books in 111 Wörtern

Die Typen ärgerten sich bleischwarz, als der Computer kam; das Buch applaudierte mit allen Seiten. Denn die Informationsgesellschaft erkannte, Text kann digital sein. Es kamen Auszeichnungssprachen und Pdfs, standardisierte Speichermedien und das World Wide Web. Die Bücher vermehrten sich und mit ihnen die Leser in allen Teilen der Welt. Drucktypen wurden zu Kunst degradiert.

Der OYO E-Reader

Der aufstrebende Athlet

Dann kam das elektronische Papier und mit ihm der Untergang der Friedfertigkeit. Digital war plötzlich gut lesbar. Amazon trat heroisch hervor, den Markt zu eröffnen und die Verlage zur E-Book-Produktion zu knechten. Dass der Markt dankend annahm, ist bis heute ein Dorn im Auge der Verlagsurgesteine. Hahnenkämpfe, Unkenrufe, Todesopfer – Wirtschaft ist ein hartes Pflaster. Krieg tei…

 

Halt, nein. 111 Wörter sind um. Die Entstehung des E-Books ist schon lange vorbei, der Rest ist Wettbewerb. Und das E-Book lebt zufrieden Seite an Seite mit seinem Print-Pendant.

Die Frithjofssage und das E-Book

Seite an Seite die Sticheleien des Marktes ertragen

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Ewige Bestseller | Das vierte Türchen

Tür vier des AdventskalendersZum vierten Türchen von LePublikateurs Adventskalender erörtert Eusebius Schabernack die Welt der Bestseller. Doch der Spiegel ist nicht genug. Die ewigen Bestseller sollen es sein. Ein großes Unterfangen mit erstaunlichem Ausgang.

Klassiker als ewige Bestseller

Der traditionelle Klassiker eignet sich nicht als ewiger Bestseller. So viel vorab. Es sind nicht die Tolstois, Dostojewskis oder Twains, die die Spitzenplätze ausmachen. Wer hätte auch gedacht, dass große Literatur nach weit oben kommt, wenn es doch Literaturpreise gibt, damit die große Literatur wenigstens saisonal mal bekannt wird. Nur ein paar haben es annähernd in die schwindelerregenden Millionenauflagen gebracht.

Darunter ist etwa das Gesamtwerk, das in einem Erdloch beginnt: ‘Der kleine Hobbit’ und ‘Der Herr der Ringe’, mit je etwa 100 und 150 Millionen verkauften Exemplaren. Wichtiger Fakt hier: Tolkiens Hauptwerk schafft es in diese Liste, weil ‘Der Herr der Ringe’ ein Roman ist – und nicht eine Trilogie aus drei Romanen.

Ein gutes Stück vor dem Fantasy-Schlager liegen zwei Bücher Kopf an Kopf: ‘Eine Geschichte aus zwei Städten‘ und ‘Der kleine Prinz’. Dickens Werk ist hier eine kleine Sensation. Denn dieses Buch ist weder das bekannteste noch das – wohl subjektiv – schönste oder wirkungsvollste. Trotzdem begeistert es Massen: 200 Millionen Exemplare wurden abgesetzt, genauso wie vom kleinen Prinzen, der auszog, den Menschen das Denken mit dem Herzen zu lehren.

Politik und Religion: Die echten Bestseller

Das wirkliche Maß der Dinge fängt bei Harry Potter an. Mit geschätzten 400 Millionen Exemplaren kratzt der Zauberlehrling am Podest der Weltstars: Mao und Jesus. Die ‘Worte des Vorsitzenden Mao’ etwa sind mit mehr als einer Milliarde Exemplaren eine echte Cash Cow. Nur geschlagen werden kann das von der Bibel, die es Hochrechnungen zufolge auf bis zu drei Milliarden Exemplaren schafft. Und schließlich ist es die Weihnachtszeit, die in diesem Buch der Bücher ihren Ursprung findet. Und in Coca Cola – aber vom Wesen her ist es das Christkind, das zählt.

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Letzte Worte | Das zweite Türchen

Das zweite Türchen des LePublikateur AdventskalendersWas gibt es in der Weihnachtszeit Erhellenderes als mehr Licht? Mit dem zweiten Türchen öffnet Eusebius Schabernack den Zitateschatz letzter Worte und erinnert uns an die Dichter, die sie sagten. Zudem bedankt er sich bei der stillen Post, die uns wohl das Gros dieser Zitate überliefert hat.

Literarische letzte Worte

Wie schon eingangs beleuchtet, Mehr Licht! ist erhellend. Goethe, Dichterfürst der Deutschen, soll diesen Ausruf auf dem Sterbebett gerufen, gehaucht oder gegebenenfalls anders dargeboten haben. Die letzten Biografen, darunter Rüdiger Safranski, können das jedoch nicht bestätigen. Trotzdem halten viele Literaturliebhaber an diesem Ausdruck fest; vielleicht, weil das Zitat so leicht zu merken ist.

Fünf Jahre nach Goethe starb dann der italienische Dichter Giacomo Leopardi. Vielleicht war es eine Anspielung auf den Geheimrat – vielleicht einfach Zufall. Seine Worte sollen gewesen sein: Öffne das Fenster, lass mich das Licht sehen. Mehr Licht gibt es bei Victor Hugo ganz anderer Art, dann die letzten Worte des französischen Nationaldichters klingen wesentlich defätistischer: Ich sehe schwarzes Licht.

Wirkungsvolle Schlusspunkte

Eusebius ergründet "Letzte Worte"

Wesentlich markanter und mit mehr Sinn behaftet (zumindest für die Nahestehenden), sind die letzten Worte von Oscar Wilde, Sir Arthur Conan Doyle oder Karl I. von England. Gut, Karl war kein Literat, aber mit seinem Bekenntnis: I am the martyr of the people; hat der Regent dem Volk das letzte Mal seine Meinung kundgetan, um hernach hingerichtet zu werden.

Oscar Wildes Schlusspunkt ist wiederum eine Anekdote für sich. Als Wilde nach einem Gefängnisaufenthalt an einer Mittelohrentzündung erkrankte, wurde ihm in einem Pariser Hotel das beste Zimmer hergerichtet. Dort erwuchs seine Krankheit zu einer Hirnhautentzündung, die schließlich zum Tod führte. Den Überlieferungen zufolge war dem irischen Dandy das Zimmer wohl doch nicht gut genug. Sein letzter Kommentar war angeblich: Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.

Sir Arthur Conan Doyle ging als britischer Gentleman, wie es seine literarischen Figuren nicht charaktervoller hätten schaffen können. Er richtete seine letzten Worte an seine Ehefrau. Sie lauten schlicht:

Du bist wunderbar.

 

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Erste Sätze | Das erste Türchen

1. 12. 2013Das erste Türchen: Erste Sätze

Zur Feier des ersten Türchens gibt es einen Klassiker der Literatur: Erste Sätze. Sie sind gefeiert und verehrt – und bei manchen muss man nur den Titel und hören und es liegt einem auf der Zunge… Call me Ishmael, denn Ich bin nicht Stiller.

Manche erste Sätze haben es zu Weltruhm gebracht und halten sich seit Tausenden von Jahren im Kollektivgedächtnis der gesamten Gesellschaft; so beispielsweise der Beginn der westlichen Literaturgeschichte überhaupt: andra moi ennepe, mousa, polytropon, hos… (bekannter wohl in der Übersetzung: Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes, welcher so weit geirrt, …). Es gibt kurze erste Sätze wie Tom! und sich lange hinziehende wie Salingers Einstieg in Holden Caulfields Liebes- und Leidensgeschichte ‘Fänger im Roggen’ – zu lang gar, dass er den Rahmen dieses Textes hier sprengen würde.

Lew Tolstoi salzte nach

Es gibt aber auch ganze andere erste Sätze. Jene, die nicht jeder kennt, an die nicht jeder sofort denkt, weil die Geschichte nicht so bekannt ist und vielleicht einfach, weil nur dieser eine ganz bestimmte Leser sie für sich gefunden hat; so etwa: Die kleine Stadt Verrières zählt gewiss zu den hübschesten der Franche-Comté. Und schon ist Julien Sorel wieder da, der den Aufstieg wagt und tief fällt – die ganze Geschichte baut sich auf, nach diesem Satz. Ein ganzer Kosmos baut sich wohl auf bei: In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit.

Zahlreiche solcher erste Sätze gibt es und jeder Leser wird seine eigene kleine Sammlung in einer Schmuckschatuelle aufbewahren. Einer jedoch ist so bekannt, so eigen und doch so universell, dass er als Gedicht oder als Aphorismus allein bestehen kann – sicher auch irgendwo als Tattoo existiert – und zudem der Türabsatz in eine der einzigartigsten Geschichten ist:

Alle glücklichen Familien gleichen einander,

jede unglücklich Familie ist auf ihre Weise unglücklich.

erste Sätze

Lew Tolstoi aus Drucktypen gesetzt (© Marcel Knöchelmann)

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