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E-Book-Markt mit Zukunft: Best Practices als Hausaufgabe

E-Books haben Potential. 21,5 Millionen Exemplare wurden 2013 verkauft. Knapp die Hälfte wohl an Amazon – genaue Zahlen gibt es nicht. Fest steht jedoch: Der Handel läuft hinterher. Wenngleich die Aufholjagd der Tolino-Allianz gut läuft, zufriedenstellend ist das noch lange nicht. Und die kleineren Sortimente sind hier noch nicht mal inbegriffen. AK ECOM und AKEP (beide AK des BOEV)* haben Best Practices definiert, die als Empfehlungen für einen funktionierenden Markt dienen. Mit ihnen könnte der Markt mehr vom Potential des E-Books ausschöpfen. Doch sie sind nur die Hausaufgaben. Von Marcel Knöchelmann

E-Book-Markt: Konkurrenz zwischen Sortiment und goldenem Käfig

E-Book-Markt 2013

E-Book-Markt: Entwicklung (© Knöchelmann nach Zahlen des BOEV)

Es geht darum, Kundenwünsche zu bedienen. Das ist wichtig und steht auch in etwa so in der Präambel: “Ziel ist eine Verbesserung der Angebotsstruktur bei den E-Books im Sinne unserer gemeinsamen Kunden.” Gut, dass das da steht, denn Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Denn im Mittelpunkt der Sortimenter steht der Kundennutzen momentan noch nicht, zumindest nicht im Digitalgeschäft. Es wird eher versucht, überhaupt Anschluss zu finden, an den schnellen Markt. Das war ok, aber jetzt kommen die Hausaufgaben.

Was aber wollen die Kunden? Harte DRM sicher nicht – und doch rennen sie in Scharen zu Amazon. Wenn man genau hinsieht, fällt jedoch auf, dass die schlechten Shopsysteme ihre Unzulänglichkeiten mit den harten DRM-Maßnahmen paaren. Letztere nehmen mittlerweile ab, der Trend geht zum direkten Wasserzeichen. Doch der Einkauf, bzw. das gesamte Erlebnis E-Procurement ist eher mäßig anregend.

E-Procurement mit Freude: Maßnahmen für das digitale Erfolgserlebnis

So müssen bspw. Re-Downloads gewährleistet werden. Falls ein Kunde im Sommer seinem Tolino eine Erholung im Pool gönnt, geht seine Bibliothek gleich mit baden. Wenn er kein Back-up – also die Bücher zusätzlich zentral – gespeichert hat, sind alle Bücher endgültig verloren. Hier muss auch nach Jahren noch ein Re-Download gewährleistet werden. Schließlich wird der Kauf formuliert als lebenslanges Nutzungsrecht. Dass der Download nach einem Kauf öfter und auch nach zehn Jahren statt nur bis zu zehn Minuten möglich ist, soll nun Standard werden.

Weitere wichtige Kriterien für den E-Book-Handel sind:

  • vollständige Informationen nicht nur zum Kunden, sondern auch innerhalb der Leistungskette
  • einheitliche Onyx-Daten
  • Transparenz in den Lizenzbestimmungen sowie für den Druck
  • Einheitlichkeit der Angebote
  • Qualitätsstandards wie auch beim Printprodukt
  • Einkauf ohne Hürden
DRM-E-Books 2013

Einsatz technischer Schutzmaßnahmen bei E-Books (© Knöchelmann nach Zahlen des BOEV)

E-Book-Markt mit Zukunft

Insbesondere der letzte Punkt klingt wie ein Weckruf. Das muss er auch sein, denn die Sortimente müssen sich zu einheitlichen Standards zwingen. Amazon kann in Auswahl und Geschwindigkeit –  wohl auch im Komfort beim Kauf – kaum eingeholt werden. Allerdings können Punkte wie Qualität und Kulanz – neben der Kernkompetenz der Beratung… – ein erheblicher Mehrwert der Sortimenter werden.

Man mag gar nicht darüber nachdenken, welche Möglichkeiten sich eröffnen, wenn diese Hausaufgaben erledigt sind. Wenn die DRM-Maßnahmen (siehe Grafik) weiter abnehmen und irgendwann über die tatsächliche Ausschöpfung digitaler Produkte nachgedacht werden kann, im E-Book-Markt mit Zukunft.

Best Practices für E-Books:

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Hier ist das gesamte Dokument “Best Practices für E-Books: Empfehlungen für einen E-Book-Markt mit Zukunft“. Die Urheberrechte liegen vollständig bei den Erstellern AK ECOM und AKEP. Dieses Dokument wurde nach den Buchtagen Berlin 2014 zur Vervielfältigung bereitgestellt.

* AK ECOM = Arbeitskreis E-Commerce, AKEP = Arbeitskreis Elektronisches Publizieren, BOEV = einfach Börsenverein

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DRM bei E-Books: Kopierschutz oder nicht?

DRM in Verlagen: Der Einsatz des harten Kopierschutzes gilt in vielen Verlagen als überholt. Er schade nur denen, die rechtmäßig kaufen und lesen wollen – nütze aber kaum etwas gegen Piraterie. Die wenigsten bieten ihre E-Books jedoch nach diesem Grundsatz an. Einen Beitrag zu dieser Debatte bringt eine Facharbeit von Marcel Knöchelmann, in der Vor- und Nachteile abgewogen werden – mit einem klaren Resultat.

E-Books ohne Kopierschutz? Eine Abwägung aus Verlagssicht.

Leipzig, 2013

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1. Vorbetrachtung

Das Geschäft mit digitalen Büchern hat sich in den letzten Jahren als dynamischer Markt mit vielfältigen Chancen aber auch verborgenen Risiken entwickelt. Aus Verlagssicht bilden besonders die neuen Absatzmöglichkeiten wachsende Diversifikationspotentiale und somit gute Zukunftsaussichten. Risiken können jedoch genau dort entstehen, wo sich die Branche, bzw. einzelne Wirtschaftssubjekte den Entwicklungen nicht genug öffnen; sich also den Bedingungen digitaler Geschäftstätigkeit verschließen. In dieser Hinsicht behandelt eine stetige Diskussion die zentrale Frage, ob ein Kopierschutz bei E-Books sinnvoll ist oder ob Verbraucher durch diesen Versuch, illegale Vervielfältigung zu unterbinden, eher abgeschreckt werden. Im Folgenden werden nach einer Einordnung des Kopierschutzes die Nutzen und Nachteile des praktischen Einsatzes abgewogen.

2. Einordnung des Kopierschutzes bei E-Books als Form des DRM

Der Kopierschutz bei E-Books wird häufig mit dem Begriff „hartes DRM“ gleichgesetzt. Dieses stellt eine Anwendungsform des digitalen Rechtemanagements dar (DRM, engl. für: Digital Rights Management).
Im eigentlichen Sinne ist ein Kopierschutz bei E-Books eine Beschränkung der Kopiermöglichkeit, denn in der Praxis angewandt steht dem Nutzer oft die Kopie der Datei zur Verfügung. Allerdings hat er nur beschränkte Möglichkeiten, diese zu entschlüsseln und damit lesbar zu machen. Hierfür notwendig ist geschäftsabhängig ein mitgelieferter Lizenzcode oder die Authentifizierung durch eine Internetverbindung zum jeweiligen Onlinedistributor. Erst anhand dessen kann der Content freigeschaltet werden, wodurch der Kundennutzen – der schließlich im lesbaren Text liegt – entsteht.
Eine „härtere“ Form des DRM und noch strengere Art des Kopierschutzes bietet die Distribution innerhalb eines geschlossenen Systems. Hierin werden E-Books von einem Vertrieb in einem proprietären Format angeboten. Der einzige für dieses Format geeignete Gerätetyp, bzw. die zur Nutzung bestimmte Plattform, ist ebenso nur über diesen einen Vertrieb erhältlich. Das E-Book befindet sich in einem in sich geschlossenen System und kann vom Nutzer nicht daraus abgezogen werden, wie auch der Nutzer sich nicht von einer anderen Plattform E-Books auf sein Trägermedium laden kann. Am bekanntesten ist das vom Online-Einzelhändler Amazon etablierte System, in dessen Mittelpunkt die Kindle-Produkte stehen.
Im Gegensatz zum harten DRM sind die als „weiches DRM“ oder auch „social DRM“ bekannten digitalen Wasserzeichen zu nennen. Hier wird ähnlich wie bei Banknoten eine Signatur hinterlegt, die das Papier authentifizieren soll. Allerdings ist das Wasserzeichen bei E-Books in den seltensten Fällen sichtbar, sondern besteht lediglich als eine Reihe von Tags im HTML- / XML-Code. In diesem auch Quellcode genannten Text hinter dem Text werden etwa Benutzerdaten platziert. So ist die stetige Verfolgbarkeit eines E-Books gewährleistet, woraus sich der Beiname „social DRM“ ergibt. Durch die jederzeit mögliche Wiedererkennung des ursprünglichen Käufers soll ein psychologischer Effekt hergestellt werden, der eine Hemmschwelle vor der Erzeugung illegaler Kopien aufbaut.

3. Nutzen und Nachteile des Einsatzes eines Kopierschutzes

Die Frage, ob E-Books mit Kopierschutz, lediglich mit „weichem DRM“ oder gar ohne jegliches DRM vertrieben werden sollten, ist aus Verlagssicht nicht einfach zu beantworten. Die Ursache dessen liegt in der zuweilen sehr ideellen Ausrichtung belletristischer Verlage, für die ökonomisches Handeln, insbesondere Marketing, und Literatur zu einem Zielkonflikt führen. In diesem werden die beiden wohl wichtigsten Interessen nicht adäquat gegeneinander abgewogen: Einerseits sollen die von den Autoren erstellten Inhalte möglichst weit verbreitet werden. Andererseits muss die ökonomische Standfestigkeit eines Verlages auch auf lange Sicht gewährleistet sein. Ist nun der Einsatz eines Kopierschutzes hinderlich bei der Verwirklichung dieser allgemeinen Verlagsziele oder vielmehr hilfreich? Betrachtet werden soll zunächst der Nutzen, den ein Verlag aus dem Einsatz eines Kopierschutzes zieht.

3.1 Die Nutzen eines Kopierschutzes

Einen klar nennbarer Vorteil ist die sichere Bezahlung. Wie bei einem zweiseitigen Kauf üblich erhält der Verlag eine Zahlung für die Übergabe des E-Books. Dieses wird danach vom Verbraucher genutzt, so lange er es für richtig hält, allerdings nur im vertraglich vorgegebenen Rahmen, soll heißen: privat. Durch einen Kopierschutz wird dieses Verbleiben des E-Books im Privaten, also auf dem einen Lesegerät, bzw. bestimmten gemeldeten Lesegeräten des Nutzers, weitestgehend sichergestellt. Eine Weitergabe, die durch die digitale Eigenschaft des E-Books grundsätzlich eine Kopie darstellt, findet nicht statt. Wollen Bekannte des beschriebenen Verbrauchers ebenso in den Lesegenuss dieses Werkes kommen, müssen sie sich das E-Book selbst kaufen. Die Möglichkeit der Weitergabe des Lesegerätes im Freundeskreis ist als untauglich anzusehen und hier zu vernachlässigen. Schließlich sind alle weiteren E-Books des Geräteeigentümers für ihn selbst unzugänglich, sollte er sein Lesegerät verleihen, denn: ohne Reader sind E-Books wertlos. Der Verlag erhält also von jedem Leser tatsächlich eine Umsatzleistung.
Ein weiteres Kriterium stellt der Rechteschutz durch ein „hartes DRM“ dar. Ausgehend von der Überlegung, dass ein Verlag durch die Aufnahme eines Autoren in ein Programm neben Rechten wie der Verwertung auch Pflichten wie Schutz des geistigen Eigentums übernimmt, kann ein Kopierschutz bei E-Books den Verlag unterstützen.
„Dritte davon abzuhalten, ein geistiges, digitales dokumentiertes Produkt zu nutzen, ohne dass der Urheber vorher zugestimmt hat, ist sehr aufwändig, weil solche Informationsgüter Eigenschaften haben, die das erschweren.“ Als solche ist hauptsächlich das nichtphysische Vorhandensein zu nennen. Dieses bietet die Option zwei der bekanntesten Vervielfältigungsmechanismen anzuwenden: den Quellcode beliebig zu kopieren (bekannt als echte Kopie einer Datei) oder auch ein Pixelbild als neues Dokument zu erstellen (bekannt als Screenshot). Durch den Einsatz eines „harten DRM“ können diese Mechanismen zumindest teilweise eingeschränkt werden. Ein Screenshot ist nach wie vor möglich, ebenso wie auch bei gedruckten Büchern das Abfotografieren / Scannen von Seiten möglich ist. Diese Vervielfältigung ist allerdings für Piraterie nur unzureichend brauchbar. Echtes Kopieren dagegen kann durch den Einsatz eines „harten DRM“ oder durch den Kopierschutz vermittels eines geschlossenen Systems grundsätzlich unterbunden werden. Ein Verlag käme somit seiner Pflicht als Schützer der Autorenrechte nach. Durch den gänzlichen Verzicht auf ein Kopierschutzsystem setzte der Verlag dagegen das geistige Gut fahrlässig illegaler Vervielfältigung, also der Piraterie, aus.

3.2 Die Nachteile eines Kopierschutzes

Diesen gewichtigen Nutzen durch angewandten Kopierschutz stehen einige unscheinbare Argumente gegen den Einsatz eines „harten DRM“ gegenüber; unscheinbar, weil aus der Ferne betrachtet unökonomisch.
So besteht die Gefahr, dass durch den Vertrieb von E-Books ohne Kopierschutz die Umsätze zurückgehen, sobald das Produkt in illegalen Tauschbörsen einen vom Verlag unkontrollierbaren neuen Vertriebsweg gefunden hat. Die gänzlichen Herstellungskosten müsste der Verlag in diesem Falle mit deutlich weniger Umsätzen tragen. Diesem Argument der Unwirtschaftlichkeit steht allerdings teilweise die Hemmschwelle gegenüber, die durch den Einsatz eines „weichen DRM“ erzeugt werden kann. Außerdem gilt die Annahme, dass Verbraucher grundsätzlich pflichtbewusst sind und für Güter bezahlen.
Darüber hinaus sinken die Herstellungskosten, wenn auf den Einsatz eines „harten DRM“ verzichtet wird. Denn die Implementierung des umfangreichen Tag-Baums im Quellcode eines E-Books, der etwa die Weitergabe auf drei Lizenzen reduziert, Authentifizierung abfragt oder gar eine automatisierte Löschung nach gegebener Frist erzeugt, kostet Zeit, einschlägiges Informatikwissen und somit Geld. Lediglich für spezielle Bibliotheksausgaben oder Onleihen sind diese Erfordernisse notwendig. Ein „weiches DRM“ kann dagegen durch einfachere Tags und automatische Dateneinspeisung funktionieren. Die Einsparung auf Verlagsseite könnte zwar nur einen bestimmten Umsatzverlust kompensieren, ist insgesamt aber nicht zu unterschätzen.
Ein weiteres Argument bietet das Ziel, das Unternehmen mehr als nur aus PR-Gründen anstreben sollten, nämlich Kunden möglichst umfassend zu befriedigen. Im Falle von E-Books bedeutet das, Kunden sollten beim Kauf eines digitalen Buches tatsächlich ein digitales Buch erhalten. Durch den Einsatz eines „harten DRM“ wird das Recht des Kunden allerdings insofern stark eingeschränkt, als dass er lediglich das Recht zum Lesen des E-Books auf vorher bestimmten Lesegeräten erhält. E-Books zu verschenken, auf vielleicht neu erworbene Geräte zu übertragen, auszuleihen oder möglicherweise in 30 Jahren via sodann neu entwickelten Geräten zu genießen, ist kaum bis gar nicht möglich. Da der Einsatz von „harten DRM“ noch bei vielen E-Book-Anbietern, besonders dem größten seiner Art, Amazon, Standard ist, formiert sich besonders online eine Kultur der totalen DRM-Ablehnung. Diese zieht das Öffentlichkeitsbild von E-Book-Distributoren und Verlagen deutlich ins Negative. Als Hauptgrund gilt die genannte Unverträglichkeit der verkauften Produkte mit dem gewünschten vollständigen Produktnutzen. Darüber hinaus wird die mangelnde Usability angeführt, auf die besonders digital-affine Verbraucher Wert legen.
Der prägendste Grund, der gegen den Einsatz eines Kopierschutzes spricht, ist der entstehende Verbundnutzen durch die Weitergabe kostenloser E-Books. „Die kostenlose Abgabe von E-Books hat im Zeitalter unzureichender Alternativen zum gedruckten Buch […] einen positiven Einfluss auf die Verkaufszahlen.“ Wenngleich E-Books und gedruckte Bücher nicht als substituierbar betrachtet werden dürfen, gilt, dass der geneigte E-Book-Käufer zusätzlich vermehrt auch klassisch gedruckte Bücher nachfragt. Ein weiterer Verbundnutzen leitet sich aus dem Effekt einer Art des viralen Marketings für ein Werk ab: Durch die Verbreitung eines Titels im Internet – ob durch Piraterie oder legal zur Einsicht durch Google Book Search oder Amazon – steigen die Absatzzahlen ebendieses Titels insgesamt. Wenn also auf den Einsatz eines Kopierschutzes verzichtet wird, erhält der Verbraucher einerseits ein vollwertiges Produkt. Andererseits kann der Verlag, bzw. das Werk, aus einer nun möglichen illegalen Vervielfältigung einen Nutzen in Form eines höheren Bekanntheitsgrades generieren, den er durch zusätzliche Werbung nicht erreicht hätte. Das Argument des fahrlässigen Aussetzens zur Piraterie kann somit auch umgekehrt werden zu einer Kampagne, die neue Leser aufmerksam macht.
Darüber hinaus muss beachtet werden, dass unabhängig vom Verlagseinsatz bei einzelnen Distributoren ein „hartes DRM“ zum Einsatz kommt. So wird etwa durch Amazon ein eigener Kopierschutz implementiert, der das Aufrechterhalten des geschlossenen Systems aus Amazon als Geschäft und den Kindle-Produkten als vorrangiger Leseplattform gewährleistet. E-Books von Verlagen, die auf den Einsatz eines „harten DRM“ verzichten und sich so als verbraucherfreundlich präsentieren können, werden über Amazon dennoch mit einem Kopierschutz versehen, was für Externe das Branchenbild verzerrt. Angesichts seiner Marktmacht und Vorreiterrolle ist es jedoch unmöglich, vom Vertrieb über den weltweit größten Einzelhändler abzusehen.

4. Schlussbetrachtung

Die Umbrüche in der Musikindustrie haben beispielhaft bewiesen, dass der Einsatz eines „harten DRM“ kaum tragfähige Geschäftsmodelle bietet. Analog gestalten sich nach den ersten Jahren des E-Book-Vertriebs die Kritiken am System. In der derzeitigen Reifephase des Marktes sollte erwogen werden, auf den Einsatz zu verzichten und auf die Gestaltungseffekte des Marktes zu vertrauen. Außerdem gilt zu betrachten, dass auch der Einsatz eines Kopierschutzes nicht vor illegalen Kopien schützt. Werden etwa bei Google die Begriffe „Ebook“ und „Kopierschutz“ eingegeben, so ist der erste Vorschlag der Suchmaschine: Ebook Kopierschutz entfernen. Durch den Google-Algorithmus, aus dem dieser Vorschlag generiert wird, kann man ableiten, dass die Suche nach einer Kopierschutzentfernung die beliebteste Suchmaschinenanfrage in diesem Zusammenhang ist. Das zeigt nur beispielhaft, wie groß die Masse an Interessenten ist, die DRM entfernen wollen; bzw. wie groß die Zahl der Entfernungsanleitungen ist. Kein Software-DRM ist gänzlich vor Cracking geschützt – kein Kopierschutz ist unumgehbar. Da zusätzlich die bei genauerer Betrachtung gar nicht mehr so unscheinbaren Argumente, die gegen die Verwendung eines Kopierschutzsystems sprechen, überwiegen, empfiehlt sich höchstens der Einsatz eines „weichen DRM“ und die Vermeidung echter Kopierschutzmaßnahmen. Sie stören nur die rechtmäßigen Käufer und helfen kaum dem Verkäufer.

Leipzig, 2013, Marcel Knöchelmann

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Geschichte des E-Books in 111 Wörtern | Das achte Türchen

LePublikateurs AdventskalenderDas achte Türchen des LePublikateur Adventskalenders birgt einen besonderen Schatz: Die Geschichte des E-Books in 111 Wörtern. Sie ist Historiendarstellung und Erzählung zugleich; Abhandlung wie Miniatur. In ihr vereinen sich Philosophie, Narration und bibliophil-digitales Manifest – weil es insbesondere zu Weihnachten wichtig ist, Seit’ an Seit’ friedfertig zusammenzuleben.

Seite an Seite | Eine Geschichte des E-Books in 111 Wörtern

Die Typen ärgerten sich bleischwarz, als der Computer kam; das Buch applaudierte mit allen Seiten. Denn die Informationsgesellschaft erkannte, Text kann digital sein. Es kamen Auszeichnungssprachen und Pdfs, standardisierte Speichermedien und das World Wide Web. Die Bücher vermehrten sich und mit ihnen die Leser in allen Teilen der Welt. Drucktypen wurden zu Kunst degradiert.

Der OYO E-Reader

Der aufstrebende Athlet

Dann kam das elektronische Papier und mit ihm der Untergang der Friedfertigkeit. Digital war plötzlich gut lesbar. Amazon trat heroisch hervor, den Markt zu eröffnen und die Verlage zur E-Book-Produktion zu knechten. Dass der Markt dankend annahm, ist bis heute ein Dorn im Auge der Verlagsurgesteine. Hahnenkämpfe, Unkenrufe, Todesopfer – Wirtschaft ist ein hartes Pflaster. Krieg tei…

 

Halt, nein. 111 Wörter sind um. Die Entstehung des E-Books ist schon lange vorbei, der Rest ist Wettbewerb. Und das E-Book lebt zufrieden Seite an Seite mit seinem Print-Pendant.

Die Frithjofssage und das E-Book

Seite an Seite die Sticheleien des Marktes ertragen

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PocketBook Touch Lux – Luxus beim Kauf

Aufgrund verschiedener Vorteile und kräftiger Werbung werden E-Reader immer beliebter. So liegen sie dieses Weihnachtsfest bestimmt wieder unter zahlreichen geschmückten Bäumen. Doch wie kann ein E-Reader auch für den konservativen Leser eine attraktive Alternative werden? PocketBook macht einen Vorschlag; Thomas Brock hat ihn untersucht.

PocketBook Touch Lux Limited Edition (2)

Der PocketBook Touch Lux in edler Hülle (© Pressemitteilung/PocketBook)

Leder statt Leinen?

Sobald es um die Frage geht, ob das E-Book gegenüber dem Buch zu bevorzugen sei, wird meist die Haptik als stärkstes Argument für das Buch genannt. Aufgrund der kulturell anerzogenen Liebe und Demut zum gedruckten Buch und seinem Papier, wird dies wohl noch eine Weile so bleiben; obwohl die wenigsten als erstes die Seiten streicheln oder ihre Nase in ein Buch halten, um daran zu riechen. Oft wird eine fehlende Wertigkeit in Bezug auf die Verarbeitung angegeben.

Um zu beweisen, dass auch E-Reader als hochwertiges Geschenk der Leserhand schmeicheln können, vertreiben immer mehr Hersteller passende Lederaccessoires. So versuchen sie, ein gewisses haptisches Erlebnis zu schaffen. Mal besser mal schlechter verarbeitet, werden dann Leder oder Kunstlederhüllen in Plastik verschweißt und über Buchhandlungen, Elektromärkte und Webshops vertrieben. Doch ein Gefühl vom edlen oder gar luxuriösen Geschenk kommt selten auf. Egal, ob in der Vergangenheit zu dem günstigsten oder dem Top-Gerät gegriffen wurde – sie alle hatten immer dasselbe Problem. Ihre Verpackung machte nicht viel her. Klobige Pappen mit riesigen Aufdrucken über besondere Ausdauer im Bezug auf Bücher, Stundenzahlen oder einfache Bedienung sind als Geschenk wenig ansprechend.

Der PocketBook Touch Lux – Es geht auch anders!

Dass es auch anders geht, zeigt ab Anfang Dezember die Schweizer Firma PocketBook, mit einer für das Weihnachtsgeschäft geplanten limitierten Edition des PocketBook Touch Lux. Diese beinhaltet den schon seit Ende Mai erhältlichen Pocketbook Touck Lux in einer braunen Variante. Da Pocketbook – wie zuvor auch – seine Neuheiten erst im Frühjahr vorstellt, hat der E-Reader die gleichen technischen Features wie die schwarz gehaltene Standardvariante. Diese ist zwar 40 € günstiger, beinhaltet aber kein Cover.

PocketBook Touch Lux Limited Edition (3)

Der PocketBook Touch Lux mit Zitat (© Pressemitteilung/PocketBook)

Das besondere ist nicht die Farbe des E-Readers oder das enthaltene Ledercover mit dem aufgeprägten Theodore Roosevelt Zitat: “I am part of everyting that I have read” also “Ich bin ein Teil von allem, was ich las”. Herausstechend an diesem Paket ist die sehr hochwertig erscheinende Verpackung. So sind E-Reader und Ledercover in eine Holzbox gebettet und vermitteln vom ersten Moment an Qualität.

Das schöne am Kauf ist der Kauf

Auch wenn die Funktion und die Handhabung an erster Stelle stehen, beginnt die Freude über einen neuen E-Reader nicht erst nach dem Auspacken – genau wie auch eine Kaufentscheidung manchmal schon vor dem Schaufenster getroffen wird. Wünschenswert ist, dass andere Hersteller sich an dieser Edition ein Beispiel nehmen und die minderwertigen Pappverpackungen bald der Vergangenheit angehören.

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Social Reading – The future of bookselling? #Contec13

Die Facebook-Version: Ich poste eine Frage und Freunde antworten. Die Social Reading-Version: Ich finde Antworten von Menschen, die meine Frage gar nicht vernehmen. Die Antworten kommen, weil sie die Menschen sind, denen ich als Leser folge, vertraue und Aufmerksamkeit schenke. Das “Social” ist nicht die Gesellschaft, die Freundschaft, sondern die Interessenverbundenheit. Ein Kommentar von Marcel Knöchelmann

Die Contec der Frankfurt Academy

Die Contec der Frankfurt Academy

Konversationen sind Märkte

Rachel Fershleiser (Tumblr), Sascha Lobo (sobooks) und Torsten Casimir (mvb) loten zur Diskussion „The future of bookselling“ aus, welche Möglichkeiten insbesondere das Internet Buchhandlungen bietet, um ihre Bücher auch in Zukunft erfolgreich zu verkaufen – oder eben nicht. Denn der Umgang mit den Online-Konversationen soll den Unterschied ausmachen. Und der Zugang kann beschwerlich sein.

Sobooks, das am Messemittwoch eine Art Zukunft des E-Books vorstellt, will Konversationen selbst als Markt erkennen. Schon 1999 wurde im Cluetrain Manifest bestimmt: Märkte sind Konversationen. 14 Online-Jahre später dreht Sascha Lobo die Idee und erkennt in Konversationen Märkte. Die Idee dahinter ist, dass durch das Vernetzen von Lesern, durch das Kommunizieren über Bücher, ebendiese verkauft werden. Bekannt aus dem Prinzip Spiegel-Bestsellerliste. Worüber gesprochen wird, das wird gekauft.

Social Reading – eine Brick and Mortar-Lösung?

Um in diesem ‘potentiellen’ Markt überhaupt Fuß fassen zu können, müssen die Anbieter an der Vernetzung der Nachfrager teilhaben. Eine Buchhandlung muss also erkennen, über was gesprochen wird und als Antwort das Buch liefern. Bekannte Klassiker: LovelyBooks und Goodreads. Während erstere zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört, fällt Goodreads unter die Marktmacht Amazons. Das Problem ist bekannt: Der größte Einzelhändler weiß seine Kontrahenten erfolgreich zu vertreiben. Worüber bei Goodreads gesprochen wird, das wird hauptsächlich bei Amazon gekauft.

Ungeachtet des zusätzlichen Problems kleiner Verkaufsstätten, sich kaum selbstständige E-Book-Plattformen aufzubauen (oder ihre White-Label-Lösungen bekannt zu machen): Wie wird in zehn Jahren die gemeine Buchhandlung ihre Bücher verkaufen? Ob Social Reading die Lösung ist, wird sich beweisen müssen. Für viele Buchhandlungen wird auch das nicht ausreichend Raum bieten. Schließlich muss besonders die Social-Reading-Buchhandlung Click and Mortar bedienen.

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