Tag: Digitalisierung

XML im Publikationsprozess – Anforderungen und Prozesse

XML im PublikationsprozessStart der Artikelserie: XML im Publikationsprozess

Die Digitalisierung ermöglicht zahlreiche Alternativen zum Buch. Inhalt wird heute als App, Webpage, E-Book, E-Paper oder klassisch gedruckt angeboten. Verlagen ergibt sich die Herausforderung, den verschiedenen Rezeptionsformen optimal zu begegnen. Bestmöglicher Output bei gegebenem Input bedeutet hier, einmal erstellten Inhalt in möglichst vielen Formen anzubieten, also crossmedial publizieren zu können. Möglich machen das veränderte Publikationsprozesse, deren Grundlage die Medienneutralität von Inhalten ist.

Veränderte Publikationsprozesse durch medienneutrale Inhaltslagerung mit XML

Die Arbeit XML im Publikationsprozess soll die Anforderungen und Prozesse, die sich aus dieser Medienneutralität durch XML und der sich daraus ergebenden Option, crossmedial publizieren zu können, ausloten und praktisch verdeutlichen. Dabei wird der Publikationsbereich auf Sach- und Fachliteratur beschränkt, da in diesem Bereich besondere Anwendungspotentiale liegen, die es bspw. bei belletristischer Literatur nur beschränkt gibt.

Nach der Abgrenzung des Publikationsbereichs werden die Auszeichnungssprache XML sowie verwandte Themenbereiche und im Anschluss zwei Anwendungsbeispiele erläutert. In allen Bereichen soll der Schwerpunkt auf den publikationsprozessbezogenen Neuerungen liegen, da hier die für Verlage wichtigen Herausforderungen stecken. Technische Details insbesondere im Bereich XML werden angesprochen, sollen jedoch mit Rücksicht auf den genannten Schwerpunkt nicht zu vertieft dargestellt werden.

Folgende Artikel:

XML im Publikationsprozess | Kostenloser Download der gesamten Arbeit

Die Arbeit XML im Publikationsprozess, vorgelegt von Marcel Knöchelmann im August 2014 an der HTWK Leipzig, steht hier kostenlos zum Download bereit:

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Datenlogistik: Wissenschaft zwischen den Stühlen

Grundlagen der Datenlogistik: Daten sind Produkte. Brauchen auch Daten die Logistik?

Die zunehmende Digitalisierung stellt die Logistik vor neue Herausforderungen. Exponentielles Wachstum von Datenmengen sowie rein auf Digitalem basierende Geschäftsmodelle und verstärkt digitale Strukturen in Unternehmen über alle Branchen hinweg machen neue Anforderungen deutlich. Es gilt logistisch nicht mehr nur, reale Güter zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitzustellen; ebenso müssen Daten organisiert werden. Dazu gehört vor allem die Schaffung geeigneter Strukturen für Transport und Lagerung sowie insbesondere zur Sicherung dynamischer Datenmengen.

Datenlogistik? Sowas mit LKW und Lagerhallen? Bloß für Binärcode…

Demnächst bei LePublikateur: Grundlagen der Datenlogistik. Anforderungen und Besonderheiten der Logistik digitaler Güter im Vergleich mit ausgewählten Bereichen der klassischen Logistik. Eine Studienarbeit von Marcel Knöchelmann und Thomas Brock.

Datenlogistik LePublikateur

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DRM bei E-Books: Kopierschutz oder nicht?

DRM in Verlagen: Der Einsatz des harten Kopierschutzes gilt in vielen Verlagen als überholt. Er schade nur denen, die rechtmäßig kaufen und lesen wollen – nütze aber kaum etwas gegen Piraterie. Die wenigsten bieten ihre E-Books jedoch nach diesem Grundsatz an. Einen Beitrag zu dieser Debatte bringt eine Facharbeit von Marcel Knöchelmann, in der Vor- und Nachteile abgewogen werden – mit einem klaren Resultat.

E-Books ohne Kopierschutz? Eine Abwägung aus Verlagssicht.

Leipzig, 2013

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1. Vorbetrachtung

Das Geschäft mit digitalen Büchern hat sich in den letzten Jahren als dynamischer Markt mit vielfältigen Chancen aber auch verborgenen Risiken entwickelt. Aus Verlagssicht bilden besonders die neuen Absatzmöglichkeiten wachsende Diversifikationspotentiale und somit gute Zukunftsaussichten. Risiken können jedoch genau dort entstehen, wo sich die Branche, bzw. einzelne Wirtschaftssubjekte den Entwicklungen nicht genug öffnen; sich also den Bedingungen digitaler Geschäftstätigkeit verschließen. In dieser Hinsicht behandelt eine stetige Diskussion die zentrale Frage, ob ein Kopierschutz bei E-Books sinnvoll ist oder ob Verbraucher durch diesen Versuch, illegale Vervielfältigung zu unterbinden, eher abgeschreckt werden. Im Folgenden werden nach einer Einordnung des Kopierschutzes die Nutzen und Nachteile des praktischen Einsatzes abgewogen.

2. Einordnung des Kopierschutzes bei E-Books als Form des DRM

Der Kopierschutz bei E-Books wird häufig mit dem Begriff „hartes DRM“ gleichgesetzt. Dieses stellt eine Anwendungsform des digitalen Rechtemanagements dar (DRM, engl. für: Digital Rights Management).
Im eigentlichen Sinne ist ein Kopierschutz bei E-Books eine Beschränkung der Kopiermöglichkeit, denn in der Praxis angewandt steht dem Nutzer oft die Kopie der Datei zur Verfügung. Allerdings hat er nur beschränkte Möglichkeiten, diese zu entschlüsseln und damit lesbar zu machen. Hierfür notwendig ist geschäftsabhängig ein mitgelieferter Lizenzcode oder die Authentifizierung durch eine Internetverbindung zum jeweiligen Onlinedistributor. Erst anhand dessen kann der Content freigeschaltet werden, wodurch der Kundennutzen – der schließlich im lesbaren Text liegt – entsteht.
Eine „härtere“ Form des DRM und noch strengere Art des Kopierschutzes bietet die Distribution innerhalb eines geschlossenen Systems. Hierin werden E-Books von einem Vertrieb in einem proprietären Format angeboten. Der einzige für dieses Format geeignete Gerätetyp, bzw. die zur Nutzung bestimmte Plattform, ist ebenso nur über diesen einen Vertrieb erhältlich. Das E-Book befindet sich in einem in sich geschlossenen System und kann vom Nutzer nicht daraus abgezogen werden, wie auch der Nutzer sich nicht von einer anderen Plattform E-Books auf sein Trägermedium laden kann. Am bekanntesten ist das vom Online-Einzelhändler Amazon etablierte System, in dessen Mittelpunkt die Kindle-Produkte stehen.
Im Gegensatz zum harten DRM sind die als „weiches DRM“ oder auch „social DRM“ bekannten digitalen Wasserzeichen zu nennen. Hier wird ähnlich wie bei Banknoten eine Signatur hinterlegt, die das Papier authentifizieren soll. Allerdings ist das Wasserzeichen bei E-Books in den seltensten Fällen sichtbar, sondern besteht lediglich als eine Reihe von Tags im HTML- / XML-Code. In diesem auch Quellcode genannten Text hinter dem Text werden etwa Benutzerdaten platziert. So ist die stetige Verfolgbarkeit eines E-Books gewährleistet, woraus sich der Beiname „social DRM“ ergibt. Durch die jederzeit mögliche Wiedererkennung des ursprünglichen Käufers soll ein psychologischer Effekt hergestellt werden, der eine Hemmschwelle vor der Erzeugung illegaler Kopien aufbaut.

3. Nutzen und Nachteile des Einsatzes eines Kopierschutzes

Die Frage, ob E-Books mit Kopierschutz, lediglich mit „weichem DRM“ oder gar ohne jegliches DRM vertrieben werden sollten, ist aus Verlagssicht nicht einfach zu beantworten. Die Ursache dessen liegt in der zuweilen sehr ideellen Ausrichtung belletristischer Verlage, für die ökonomisches Handeln, insbesondere Marketing, und Literatur zu einem Zielkonflikt führen. In diesem werden die beiden wohl wichtigsten Interessen nicht adäquat gegeneinander abgewogen: Einerseits sollen die von den Autoren erstellten Inhalte möglichst weit verbreitet werden. Andererseits muss die ökonomische Standfestigkeit eines Verlages auch auf lange Sicht gewährleistet sein. Ist nun der Einsatz eines Kopierschutzes hinderlich bei der Verwirklichung dieser allgemeinen Verlagsziele oder vielmehr hilfreich? Betrachtet werden soll zunächst der Nutzen, den ein Verlag aus dem Einsatz eines Kopierschutzes zieht.

3.1 Die Nutzen eines Kopierschutzes

Einen klar nennbarer Vorteil ist die sichere Bezahlung. Wie bei einem zweiseitigen Kauf üblich erhält der Verlag eine Zahlung für die Übergabe des E-Books. Dieses wird danach vom Verbraucher genutzt, so lange er es für richtig hält, allerdings nur im vertraglich vorgegebenen Rahmen, soll heißen: privat. Durch einen Kopierschutz wird dieses Verbleiben des E-Books im Privaten, also auf dem einen Lesegerät, bzw. bestimmten gemeldeten Lesegeräten des Nutzers, weitestgehend sichergestellt. Eine Weitergabe, die durch die digitale Eigenschaft des E-Books grundsätzlich eine Kopie darstellt, findet nicht statt. Wollen Bekannte des beschriebenen Verbrauchers ebenso in den Lesegenuss dieses Werkes kommen, müssen sie sich das E-Book selbst kaufen. Die Möglichkeit der Weitergabe des Lesegerätes im Freundeskreis ist als untauglich anzusehen und hier zu vernachlässigen. Schließlich sind alle weiteren E-Books des Geräteeigentümers für ihn selbst unzugänglich, sollte er sein Lesegerät verleihen, denn: ohne Reader sind E-Books wertlos. Der Verlag erhält also von jedem Leser tatsächlich eine Umsatzleistung.
Ein weiteres Kriterium stellt der Rechteschutz durch ein „hartes DRM“ dar. Ausgehend von der Überlegung, dass ein Verlag durch die Aufnahme eines Autoren in ein Programm neben Rechten wie der Verwertung auch Pflichten wie Schutz des geistigen Eigentums übernimmt, kann ein Kopierschutz bei E-Books den Verlag unterstützen.
„Dritte davon abzuhalten, ein geistiges, digitales dokumentiertes Produkt zu nutzen, ohne dass der Urheber vorher zugestimmt hat, ist sehr aufwändig, weil solche Informationsgüter Eigenschaften haben, die das erschweren.“ Als solche ist hauptsächlich das nichtphysische Vorhandensein zu nennen. Dieses bietet die Option zwei der bekanntesten Vervielfältigungsmechanismen anzuwenden: den Quellcode beliebig zu kopieren (bekannt als echte Kopie einer Datei) oder auch ein Pixelbild als neues Dokument zu erstellen (bekannt als Screenshot). Durch den Einsatz eines „harten DRM“ können diese Mechanismen zumindest teilweise eingeschränkt werden. Ein Screenshot ist nach wie vor möglich, ebenso wie auch bei gedruckten Büchern das Abfotografieren / Scannen von Seiten möglich ist. Diese Vervielfältigung ist allerdings für Piraterie nur unzureichend brauchbar. Echtes Kopieren dagegen kann durch den Einsatz eines „harten DRM“ oder durch den Kopierschutz vermittels eines geschlossenen Systems grundsätzlich unterbunden werden. Ein Verlag käme somit seiner Pflicht als Schützer der Autorenrechte nach. Durch den gänzlichen Verzicht auf ein Kopierschutzsystem setzte der Verlag dagegen das geistige Gut fahrlässig illegaler Vervielfältigung, also der Piraterie, aus.

3.2 Die Nachteile eines Kopierschutzes

Diesen gewichtigen Nutzen durch angewandten Kopierschutz stehen einige unscheinbare Argumente gegen den Einsatz eines „harten DRM“ gegenüber; unscheinbar, weil aus der Ferne betrachtet unökonomisch.
So besteht die Gefahr, dass durch den Vertrieb von E-Books ohne Kopierschutz die Umsätze zurückgehen, sobald das Produkt in illegalen Tauschbörsen einen vom Verlag unkontrollierbaren neuen Vertriebsweg gefunden hat. Die gänzlichen Herstellungskosten müsste der Verlag in diesem Falle mit deutlich weniger Umsätzen tragen. Diesem Argument der Unwirtschaftlichkeit steht allerdings teilweise die Hemmschwelle gegenüber, die durch den Einsatz eines „weichen DRM“ erzeugt werden kann. Außerdem gilt die Annahme, dass Verbraucher grundsätzlich pflichtbewusst sind und für Güter bezahlen.
Darüber hinaus sinken die Herstellungskosten, wenn auf den Einsatz eines „harten DRM“ verzichtet wird. Denn die Implementierung des umfangreichen Tag-Baums im Quellcode eines E-Books, der etwa die Weitergabe auf drei Lizenzen reduziert, Authentifizierung abfragt oder gar eine automatisierte Löschung nach gegebener Frist erzeugt, kostet Zeit, einschlägiges Informatikwissen und somit Geld. Lediglich für spezielle Bibliotheksausgaben oder Onleihen sind diese Erfordernisse notwendig. Ein „weiches DRM“ kann dagegen durch einfachere Tags und automatische Dateneinspeisung funktionieren. Die Einsparung auf Verlagsseite könnte zwar nur einen bestimmten Umsatzverlust kompensieren, ist insgesamt aber nicht zu unterschätzen.
Ein weiteres Argument bietet das Ziel, das Unternehmen mehr als nur aus PR-Gründen anstreben sollten, nämlich Kunden möglichst umfassend zu befriedigen. Im Falle von E-Books bedeutet das, Kunden sollten beim Kauf eines digitalen Buches tatsächlich ein digitales Buch erhalten. Durch den Einsatz eines „harten DRM“ wird das Recht des Kunden allerdings insofern stark eingeschränkt, als dass er lediglich das Recht zum Lesen des E-Books auf vorher bestimmten Lesegeräten erhält. E-Books zu verschenken, auf vielleicht neu erworbene Geräte zu übertragen, auszuleihen oder möglicherweise in 30 Jahren via sodann neu entwickelten Geräten zu genießen, ist kaum bis gar nicht möglich. Da der Einsatz von „harten DRM“ noch bei vielen E-Book-Anbietern, besonders dem größten seiner Art, Amazon, Standard ist, formiert sich besonders online eine Kultur der totalen DRM-Ablehnung. Diese zieht das Öffentlichkeitsbild von E-Book-Distributoren und Verlagen deutlich ins Negative. Als Hauptgrund gilt die genannte Unverträglichkeit der verkauften Produkte mit dem gewünschten vollständigen Produktnutzen. Darüber hinaus wird die mangelnde Usability angeführt, auf die besonders digital-affine Verbraucher Wert legen.
Der prägendste Grund, der gegen den Einsatz eines Kopierschutzes spricht, ist der entstehende Verbundnutzen durch die Weitergabe kostenloser E-Books. „Die kostenlose Abgabe von E-Books hat im Zeitalter unzureichender Alternativen zum gedruckten Buch […] einen positiven Einfluss auf die Verkaufszahlen.“ Wenngleich E-Books und gedruckte Bücher nicht als substituierbar betrachtet werden dürfen, gilt, dass der geneigte E-Book-Käufer zusätzlich vermehrt auch klassisch gedruckte Bücher nachfragt. Ein weiterer Verbundnutzen leitet sich aus dem Effekt einer Art des viralen Marketings für ein Werk ab: Durch die Verbreitung eines Titels im Internet – ob durch Piraterie oder legal zur Einsicht durch Google Book Search oder Amazon – steigen die Absatzzahlen ebendieses Titels insgesamt. Wenn also auf den Einsatz eines Kopierschutzes verzichtet wird, erhält der Verbraucher einerseits ein vollwertiges Produkt. Andererseits kann der Verlag, bzw. das Werk, aus einer nun möglichen illegalen Vervielfältigung einen Nutzen in Form eines höheren Bekanntheitsgrades generieren, den er durch zusätzliche Werbung nicht erreicht hätte. Das Argument des fahrlässigen Aussetzens zur Piraterie kann somit auch umgekehrt werden zu einer Kampagne, die neue Leser aufmerksam macht.
Darüber hinaus muss beachtet werden, dass unabhängig vom Verlagseinsatz bei einzelnen Distributoren ein „hartes DRM“ zum Einsatz kommt. So wird etwa durch Amazon ein eigener Kopierschutz implementiert, der das Aufrechterhalten des geschlossenen Systems aus Amazon als Geschäft und den Kindle-Produkten als vorrangiger Leseplattform gewährleistet. E-Books von Verlagen, die auf den Einsatz eines „harten DRM“ verzichten und sich so als verbraucherfreundlich präsentieren können, werden über Amazon dennoch mit einem Kopierschutz versehen, was für Externe das Branchenbild verzerrt. Angesichts seiner Marktmacht und Vorreiterrolle ist es jedoch unmöglich, vom Vertrieb über den weltweit größten Einzelhändler abzusehen.

4. Schlussbetrachtung

Die Umbrüche in der Musikindustrie haben beispielhaft bewiesen, dass der Einsatz eines „harten DRM“ kaum tragfähige Geschäftsmodelle bietet. Analog gestalten sich nach den ersten Jahren des E-Book-Vertriebs die Kritiken am System. In der derzeitigen Reifephase des Marktes sollte erwogen werden, auf den Einsatz zu verzichten und auf die Gestaltungseffekte des Marktes zu vertrauen. Außerdem gilt zu betrachten, dass auch der Einsatz eines Kopierschutzes nicht vor illegalen Kopien schützt. Werden etwa bei Google die Begriffe „Ebook“ und „Kopierschutz“ eingegeben, so ist der erste Vorschlag der Suchmaschine: Ebook Kopierschutz entfernen. Durch den Google-Algorithmus, aus dem dieser Vorschlag generiert wird, kann man ableiten, dass die Suche nach einer Kopierschutzentfernung die beliebteste Suchmaschinenanfrage in diesem Zusammenhang ist. Das zeigt nur beispielhaft, wie groß die Masse an Interessenten ist, die DRM entfernen wollen; bzw. wie groß die Zahl der Entfernungsanleitungen ist. Kein Software-DRM ist gänzlich vor Cracking geschützt – kein Kopierschutz ist unumgehbar. Da zusätzlich die bei genauerer Betrachtung gar nicht mehr so unscheinbaren Argumente, die gegen die Verwendung eines Kopierschutzsystems sprechen, überwiegen, empfiehlt sich höchstens der Einsatz eines „weichen DRM“ und die Vermeidung echter Kopierschutzmaßnahmen. Sie stören nur die rechtmäßigen Käufer und helfen kaum dem Verkäufer.

Leipzig, 2013, Marcel Knöchelmann

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Publishers Forum: Ein Rückblick

Publishers Forum 2013: Our Protection Against Nuclear Attack. Ed Nawotka untermauert seine Weitsicht, Adam Duvander zeigt die Pfeile, die Kunden dirigieren, und es gibt Unternehmen, die ihre Stärken kennen. Das Publishers Forum gilt als wegweisendes Treffen für die Zukunft der Verlagsbranche; zumindest, in Hinsicht auf die Digitalisierung. Die betrifft jeden einzelnen, doch auch jeden Verlag? Ein Kommentar von Marcel Knöchelmann

Publishers Forum

Protection against Nuclear War (© Ed Nawotkas Präsentation)

Publishers Forum: Aufbruch in den Westen

America vs the world: Ein Thema, das polarisiert. Als Edward Nawotka das Podium betritt, wissen viele, was kommen wird. Schon drei Jahre zuvor war der smarte Gründer von Publishing Perspectives von New York nach Berlin gekommen, um der deutschen Verlagsbranche zu erklären, was passieren wird. Er wurde belächelt. Nun steht er wieder vor den versammelten Fachleuten und lacht zurück, im Handgepäck die Anleitung zum Schutz gegen den Branchenkollaps.

Das weit verbreitete Gerücht, Firmen aus Kalifornien übernähmen neben der Regentschaft im Internet auch die hiesige Buchbranche, hält sich jeder Aufklärung zum Trotz. Fakt ist, Amazon, Google, Apple und Weitere gehen geschickt vor. Sie wissen, wie man mit der Digitalisierung umgeht, weil sie ebendiese prägen. Was mit Inhalten im Internet passiert und wie ein Produkt zum Kunden gebracht wird, durchschauen sie in verschiedensten Facetten, tagesaktuell. Eine halbe Stunde hat Nawotka Zeit, dem Publikum weiszumachen, dass Ratlosigkeit über ein Warum in Wissen durch Was umschwenken muss.

Wie erstarkt Amazon dadurch?

Der Goodreads-Zukauf durch Amazon ist bezeichnend. Wer annimmt, Amazon strebe über das Lesernetzwerk zusätzliche Verkäufe an, blickt zu kurz. Vielmehr geht es um Metadaten. Goodreads funktioniert über tausende Verbindungen, millionenfache Bewertungen und Zusatzinformationen, die in dieser Masse kein Lektorat erarbeiten könnte. Diese helfen Amazon, um Kundenanfragen besser zu bedienen, Beschreibungstexte abzurunden oder die Liste der „Wer das gekauft hat, hat auch…“ zu spezifizieren. Amazon verbessert sich und daraus werden die wesentlichen Umsatzzuwächse generiert werden. Konzentriere dich auf deine Stärken.

Der Roman aus der Wolke?

Sollten Michael Krüger oder Helge Malchow sich nun mit dem Semantic Web oder einer Cloud plagen? Belletristische Literatur und deren Nachbearbeitung sind nicht Themen beim Publishers Forum. Die Hauptproduktion wichtiger Romane oder der Lyrik werden von Autoren geschrieben und vom Dienstleister Verlag umgesetzt. Das wird sich kaum verändern. Sei es, dass der Text sodann im schon fast wieder überfälligen Format E-Book erscheinen. Die Grundfeste des Wegs bis hier, können nicht von einem Computer verändert werden.

Plagen müssen sich die, die Fachliteratur verlegen, die lediglich Teildienstleister sind oder schlicht diejenigen, die sich zwischen klassische Verlage und deren Kunden begeben. Unternehmen also, die neuen Strukturen folgen und vom Kundenwunsch ausgehen müssen. Dabei bestimmt nicht die Größe einer Firma die Konkurrenzfähigkeit. Erfolgreich ist, wer sich anpasst. Auch wenn das alte Geschäftsmodell dann nicht mehr funktioniert.

Was ihr wollt

Was der Kunde will, muss daher im Fokus stehen. Wer die breite Masse anspricht, verpufft, denn das Internet ist größer als ein Marktplatz. Eine Lösung, die direkte Kundenansprache ermöglicht, deutet Adam Duvander an. Dabei gilt als Kunde auch jeder potentielle Kunde, wenngleich er noch gar nicht sucht. Vermittels API (Application Programming Interface) nutzt man bestehende Netzbefehle und Kommunikationsverbindungen, um direkt auf individuelle Wünsche Einzelner einzugehen.

Tiefer in die Materie steigen im Workshop dazu Anna Lewis und Oliver Brooks ein. Mit der Plattform ValoBox haben sie eine Möglichkeit geschaffen, soziale Netzwerke als Beratungsinstrument an einen Pay-as-you-go-Shop anzuschließen. Über diesen können Leseproben, Kapitel und vollständige Bücher erstanden werden. APIs sind die Verbindung, jeder Klick kann der Teil einer Empfehlung sein. Nun ist der Kunde dran: Click, click, quote. Click, click, chapter. Click, click, book.

Der Autor bedankt sich für die Teilnahme am Publishers Forum im April 2013. Dieser Artikel erschien zuerst bei Verlage der Zukunft.

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