Das klassische Buch in seiner statischen gedruckten Form war lange Zeit von der Medienkonvergenz unberührt. Während andere Medien sich vermischten und immer neue Wege der Inhaltsrezeption erschufen, blieb die Informationsaufnahme längerer Texte, ggf. mit Grafiken oder Bildern, den gedruckten Medien, im wesentlichen Büchern und Periodika, vorbehalten. Die Digitalisierung und insbesondere der sich ausbreitende Zugang zum mobilen Internet inklusive der dafür nötigen Endgeräte hat nun auch dieses Medium erfasst.

Crossmedialität und Medienneutralität

Text kann und wird zunehmend mehr digital dargestellt gelesen; die Formen, die das möglich machen sind zahlreich, einerseits die neue Hardware (bspw. Smartphone, Tablet, E-Reader, Ultrabook), dafür zugeschnitte Software (bspw. Apps, Webapps, Blogs, Browser) sowie Etablierung neuer Dateiformate (bspw. E-Books wie EPUB, MobiPocket oder Pdf, Enhanced E-Books, E-Paper, HTML-Variationen). Die Anforderung besteht nun, diese Formate bedienen zu können.

Wenn das Handbuch des englischen Sprachgebrauchs bspw. nicht mehr nur gedruckt, sondern ebenso auch als E-Book und als App erscheinen soll, so gilt es, hierfür jeweils notwendige Darstellungen, Layoutrestriktionen und ggf. Funktionen zu erkennen und anzupassen. Bei einem Buch war dies etwa durch die Seitengröße gegeben. Doch Smartphones, Tablets und Ultrabooks (u.a.) gibt es mit eine großen Variation von Bildschirmen. Bedarf es einer eigenen App oder eines E-Books für jedes Gerät? Und muss der Inhalt jeweils durch Copy & Paste-Prozesse in diese individuellen Dateien eingefügt werden?

Diese ostentativen Fragen deuten an, welcher Aufwand vonnöten wäre, wenn es bestimmte Standards nicht gäbe. Der hier vorgestellte Standard XML ermöglicht das Erstellen eines Produktes, das den einmalig erstellten Inhalt auf verschiedensten Endgeräten optimal darstellt. Die hierfür gebrauchten Termini sind Medienneutralität von Inhalten und crossmediales Publizieren.

Medienneutrale Inhaltslagerung

Medienneutrale Inhaltslagerung bedeutet, dass ein Inhalt nicht für ein bestimmtes Medium erstellt und gespeichert wird, sondern unabhängig von jedem Medium, insbesondere von einer konkreten Darstellung für ein Medium. Bspw. kann ein Exceldatenblatt erstellt und daraus eine Pdf konvertiert werden. Diese Pdf wird hernach über eine Website publiziert sowie gedruckt. Hier wurde das medienneutrale Datenblatt in Excel erstellt und dieses als Pdf über die Medien Papier/Druck und Website/HTML publiziert. Wichtig ist hier, dass die Excel-Datei unabhängig von jedem Konzept des späteren Publizierens erstellt wurde.

Die wirkungsvollste Methode der medienneutralen Inhaltslagerung ist heute der Standard auf XML-Basis. Hier ist die Technik der Trennung des Inhalts von jeglicher Darstellung bei Beibehaltung höchster Flexibilität gewährleistet. So ist es möglich, auch strukturell anspruchsvolle und äußerst große Datenbestände völlig unabhängig von ihrem möglichen Einsatz bereitzuhalten. Die Ressource Inhalt rückt so in den Vordergrund, während das Produkt nachrangig wird. Diese Mentalität verändert nachhaltig die Prozessgestaltung, wie weiter unten deutlich wird.

Crossmediales Publizieren

Crossmediales Publizieren ist die direkte (mögliche) Folge von medienneutraler Inhaltslagerung. Die Verbindung stellt das Single Source Publishing (SSP) dar. Hinter diesem Terminus verbirgt sich, dass aus einer Inhaltsquelle heraus publiziert wird. Was publiziert wird, bzw. für oder über welches Medium kann individuell entschieden werden. Der Inhalt ist somit aus einer Quelle kommend über jegliche Medien hinweg publizierbar. Dabei ist folgende Unterscheidung wichtig: SSP bezieht sich auf den Inhalt, crossmediales Publizieren auf die Aufbereitung für diverse Medien. Wenngleich sich die Bereiche direkt aufeinander beziehen, ist die Trennung für den Bearbeitungsprozess wichtig.

Für das Publizieren aus einer Quelle ist es notwendig, die für die jeweilige Publikation benötigten Daten aus der gesamten Datenbasis herauszulösen und zu sortieren. Hierbei geht es nicht um die Darstellung von Inhalten, sondern um die Transformation der Inhalte aus der XML-Datei heraus. Dieser technische Prozess, der aus der XML-Datenquelle bspw. eine HTML-, Text- oder von ersterer unabhängige, neue XML-Datei macht, ist notwendig, um die verschiedenen Elemente einer Publikation (mit XML als Grundbaustein) zusammenzuführen.

Dies geschieht vermittels einer schon oben erwähnten XSL-Datei. XSL steht für Extensible Stylesheet Language und kann einerseits die Aufgaben einer CSS übernehmen. Ein anderer Anwendungsbereich dieser umfangreichen Metasprache ist der hier wichtige Bereich der Transformation, wodurch aus dem Stylesheet XSL der Prozessor XSLT wird.

Vom Aufbau ist eine solche XSLT-Datei vergleichbar mit einer Einkaufsliste, die die Anweisungen enthält, welche der Informationen aus dem XML-Datenbestand mitgenommen werden; mit dem Zusatz, dass diese Liste ausschließlich von oben nach unten abgehandelt wird und so die Platzierung im Einkaufswagen gleich mit feststeht.

Mitgenommen heißt im Falle der XSLT, dass das Element angesprochen wird, der dazugehörige Elementinhalt jedoch erscheint. Um das Bild des Einkaufens weiterzudenken: Die Dinge im Einkaufswagen müssen noch ausgepackt werden. Daher ist eine XSLT deutlich knapper formulierbar und kürzer als die Menge des Inhalts, der letztendlich transformiert und dargestellt wird. Denn wie oben bemerkt, wird in einer DTD ein Element einmal definiert. In einer XML kann dieses Element beliebig oft erscheinen und mit verschiedenen Elementinhalten gefüllt sein. Hier wird schon die optimale Ressourcennutzung von XML deutlich. Neben der Filterung kann eine Transformation mit XSLT zudem Inhalte verschiedener XML-Dokumente in einem Ausgabeformat zusammenführen.

Single Source Publishing

Single Source Publishing

Als Beispiel bestehe eine Datenquelle aus Tausenden ausführlichen Stichworten zu IT-Fachgebieten. Für eine Buchpublikation soll die XSLT nur Stichworte zum Thema Rechennetze auswählen sowie die Stichworte hierin um wissenschaftliche Ausführungen kürzen, sodass nur sachliche Kurzdefinitionen erscheinen. Gedruckt entsteht so ein kleines klassisches Wörterbuch.

Wenn aus der gleichen Inhaltsquelle eine wissenschaftliche App entstehen soll, die als Container funktioniert und für die Nutzer sich Fachgebiete einkaufen können, kann für jedes Fachgebiet schlicht eine XSLT verfasst werden, die den jeweiligen Bestand der Stichwörter herausfiltert. Dies ergäbe eine große, vielseitige App mit variablen Inhalten. So können mit einer einzigen Inhaltsquelle effizient diverse Interessengruppen angesprochen werden.

Der gesamte Inhalt stammt aus der folgenden Arbeit XML im Publikationsprozess, die hier zum Download bereitsteht:

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