Marketing für Buchhandlungen | “Regeln brechen” – ein Vorsatz, wie geschaffen für die heutige Zeit. Schnelllebig wie sie ist, darf man sich schließlich nicht darauf verlassen, dass dahergelaufene Regeln das Geschäft befeuern. Man muss sie brechen, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und endlich mehr Absatz zu wagen. Die LePublikateur Redakteure sind allesamt selbst gelehrte Buchhändler und haben sich daher Gedanken gemacht, um dem Rest des Berufsstandes beim Marketing-Regeln-Brechen zu helfen. Ein beispielloser Kommentar Eine Satire von Marcel Knöchelmann, Caroline Brand und Thomas Brock

Fast das Cluetrain-Manifest des Buchhandels:

  • Ein kleiner Tipp zum Einstieg: Entscheiden Sie sich für ein breites UND für ein tiefes Soriment. Das befriedigt mehr Kunden; einerseits die, die von allem etwas wollen und andererseits die, die von einem Thema nicht genug bekommen.

    Sexy-Marketing-im-Buchhandel

    Die Branche hat gerade erst den Sex für sich entdeckt.

  • Peppen Sie ihren Verkaufsraum auf, denn eine gemütliche Atmosphäre zieht Kunden in den Laden. Eine Möglichkeit wäre etwa, im Eingangsbereich ein Blechtonne als Kamin aufzustellen. Das strahlt Wärme und schönes Licht aus. Brennmaterial haben Sie immerhin ausreichend ausgestellt. (Achtung! Schutzhülle entfernen – das PVC stinkt beim Verbrennen, was die Kunden vergraulen könnte.)
  • Hören Sie auf zu lesen. Wenn Sie lesen, versuchen Sie immer wieder Bücher Ihres Geschmacks unter die Leute zu bringen und das sind bei Buchhändlern selten Verkaufsschlager. Schauen Sie lieber mal Fernsehen. Dort sehen Sie, was wirklich wertvoll ist.
  • Und überhaupt: Ein Kunde interessiert sich nicht für den meritorischen Wert von Büchern, er riecht nicht am Papier und lauscht nicht, wenn der Rücken beim Öffnen sinnlich knarzt. Ihr Kunde will im Content versinken. Unser Tipp deshalb: Schenken Sie ihm Badeschaum aus Papiersud. (Wenn Sie diesen selbst herstellen, können Sie übrigens vorgeben, er sei weniger als 2 % des günstigsten Produkts in ihrem Laden wert – und brauchen so keine Angst vor den Dementoren der Buchpreisbindung zu haben.)

Denken Sie um: tagsüber schließen – nachts öffnen

  • Ändern Sie Ihre KPI (Key Performance Indicator). Denn wenn es mit dem Erfolg nicht so recht will, liegt es vielleicht bloß an der Grundlage, mit der Sie ihn bewerten.
  • Signieren Sie das Buch, wenn Sie es verkaufen. Das schafft Kundenbindung. Schließlich vergisst Ihr Kunde dadurch nie, wo er das Buch erstanden hat. Darüber hinaus verhindert diese Methode, dass der Kunde den Schinken umtauschen kann; ist schließlich schon vollgekritzelt.
  • Sie können Ihrem Kunden exakt so viele Bücher liefern, wie Amazon Ihren Kunden liefern könnte. Damit sollten Sie als Marketing-Fachmann nicht hinterm Berg halten. (Sie können hierfür in einen Prime-Account investieren.)
  • Nennen Sie Ihre Buchhandlung in Abgrenzung und als Pendant zu ihrem größten Konkurrenten schlicht Baikalsee oder Marianengraben. Das schafft Vertrauen, weil die Kunden dann von außen gleich wissen, dass dieser Laden nicht nur tiefer liegt als die Konkurrenz, sondern sie bei weitem untergräbt.

Kommunikation ist das wichtigste Kommunikationsinstrument im Marketing-Mix:

  • Bewerben Sie Ihre Stärken. Seien Sie hierbei ganz Sie selbst, denn der Kunde merkt, wenn Sie ihm etwas vormachen. Wenn Sie kochen können, kommunizieren Sie das. Wenn Sie gut zuhören können, kommunizieren Sie das. Und wenn Sie toll im Bett sind, kommunizieren Sie das. Der Kunde ist schließlich daran interessiert, sich Ihnen anzuvertrauen, damit Sie ihm das richtige Buch von der Bestsellerliste empfehlen können. Wenn Sie den ersten Schritt machen, ist das die Basis für eine teilnahmsvolle Zusammenarbeit.

    Marken-Kommunikation im Marketing-Mix

    Auch andere Kleinunternehmer – wie hier die Gärtner – wissen ihre Stärken zu kommunizieren

  • Erst recht müssen Sie es gut bewerben, wenn Sie überragende Leistungen im Bett vollbringen. Die Branche hat gerade erst den Sex für sich entdeckt. Sie könnten dem Kunden erläutern, was da in den Büchern alles passiert und wie man die Dinge selbst erfahren kann. (Sie sollten bei diesem Punkt allerdings einen Bogen um die Bücher machen, in den Menschen sterben und die Verantwortlichen gefasst werden – dann wäre der Kunde schließlich nicht mehr als Kunde verfügbar, was sich wiederum schlecht auf den Absatz auswirkt.)
  • Twittern Sie viel. Halten Sie sich überhaupt viel in den Sozialen Medien auf. Das ist immer ein Zeichen für die Außenwelt, dass es Ihrem Laden gutgeht und dass Sie viel Zeit für das Drumherum aufbringen können. An Kommunikation soll man schließlich nie sparen.

Geben Sie ihrem Marketing einen Markennamen – ohne Marke ist alles nichts

(Sehr frei nach Dominic Multerer, der das Branchen-Marketingklischee entdeckt hat, Buchhändler warteten, bis Kunden zu ihnen kämen. Das ist böse für den Absatz. Also: Regeln brechen und Aufmerksamkeit erzielen. Auch wenn die anderen Sie dann für blöde halten.)

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