Publishers Forum 2013: Our Protection Against Nuclear Attack. Ed Nawotka untermauert seine Weitsicht, Adam Duvander zeigt die Pfeile, die Kunden dirigieren, und es gibt Unternehmen, die ihre Stärken kennen. Das Publishers Forum gilt als wegweisendes Treffen für die Zukunft der Verlagsbranche; zumindest, in Hinsicht auf die Digitalisierung. Die betrifft jeden einzelnen, doch auch jeden Verlag? Ein Kommentar von Marcel Knöchelmann

Publishers Forum

Protection against Nuclear War (© Ed Nawotkas Präsentation)

Publishers Forum: Aufbruch in den Westen

America vs the world: Ein Thema, das polarisiert. Als Edward Nawotka das Podium betritt, wissen viele, was kommen wird. Schon drei Jahre zuvor war der smarte Gründer von Publishing Perspectives von New York nach Berlin gekommen, um der deutschen Verlagsbranche zu erklären, was passieren wird. Er wurde belächelt. Nun steht er wieder vor den versammelten Fachleuten und lacht zurück, im Handgepäck die Anleitung zum Schutz gegen den Branchenkollaps.

Das weit verbreitete Gerücht, Firmen aus Kalifornien übernähmen neben der Regentschaft im Internet auch die hiesige Buchbranche, hält sich jeder Aufklärung zum Trotz. Fakt ist, Amazon, Google, Apple und Weitere gehen geschickt vor. Sie wissen, wie man mit der Digitalisierung umgeht, weil sie ebendiese prägen. Was mit Inhalten im Internet passiert und wie ein Produkt zum Kunden gebracht wird, durchschauen sie in verschiedensten Facetten, tagesaktuell. Eine halbe Stunde hat Nawotka Zeit, dem Publikum weiszumachen, dass Ratlosigkeit über ein Warum in Wissen durch Was umschwenken muss.

Wie erstarkt Amazon dadurch?

Der Goodreads-Zukauf durch Amazon ist bezeichnend. Wer annimmt, Amazon strebe über das Lesernetzwerk zusätzliche Verkäufe an, blickt zu kurz. Vielmehr geht es um Metadaten. Goodreads funktioniert über tausende Verbindungen, millionenfache Bewertungen und Zusatzinformationen, die in dieser Masse kein Lektorat erarbeiten könnte. Diese helfen Amazon, um Kundenanfragen besser zu bedienen, Beschreibungstexte abzurunden oder die Liste der „Wer das gekauft hat, hat auch…“ zu spezifizieren. Amazon verbessert sich und daraus werden die wesentlichen Umsatzzuwächse generiert werden. Konzentriere dich auf deine Stärken.

Der Roman aus der Wolke?

Sollten Michael Krüger oder Helge Malchow sich nun mit dem Semantic Web oder einer Cloud plagen? Belletristische Literatur und deren Nachbearbeitung sind nicht Themen beim Publishers Forum. Die Hauptproduktion wichtiger Romane oder der Lyrik werden von Autoren geschrieben und vom Dienstleister Verlag umgesetzt. Das wird sich kaum verändern. Sei es, dass der Text sodann im schon fast wieder überfälligen Format E-Book erscheinen. Die Grundfeste des Wegs bis hier, können nicht von einem Computer verändert werden.

Plagen müssen sich die, die Fachliteratur verlegen, die lediglich Teildienstleister sind oder schlicht diejenigen, die sich zwischen klassische Verlage und deren Kunden begeben. Unternehmen also, die neuen Strukturen folgen und vom Kundenwunsch ausgehen müssen. Dabei bestimmt nicht die Größe einer Firma die Konkurrenzfähigkeit. Erfolgreich ist, wer sich anpasst. Auch wenn das alte Geschäftsmodell dann nicht mehr funktioniert.

Was ihr wollt

Was der Kunde will, muss daher im Fokus stehen. Wer die breite Masse anspricht, verpufft, denn das Internet ist größer als ein Marktplatz. Eine Lösung, die direkte Kundenansprache ermöglicht, deutet Adam Duvander an. Dabei gilt als Kunde auch jeder potentielle Kunde, wenngleich er noch gar nicht sucht. Vermittels API (Application Programming Interface) nutzt man bestehende Netzbefehle und Kommunikationsverbindungen, um direkt auf individuelle Wünsche Einzelner einzugehen.

Tiefer in die Materie steigen im Workshop dazu Anna Lewis und Oliver Brooks ein. Mit der Plattform ValoBox haben sie eine Möglichkeit geschaffen, soziale Netzwerke als Beratungsinstrument an einen Pay-as-you-go-Shop anzuschließen. Über diesen können Leseproben, Kapitel und vollständige Bücher erstanden werden. APIs sind die Verbindung, jeder Klick kann der Teil einer Empfehlung sein. Nun ist der Kunde dran: Click, click, quote. Click, click, chapter. Click, click, book.

Der Autor bedankt sich für die Teilnahme am Publishers Forum im April 2013. Dieser Artikel erschien zuerst bei Verlage der Zukunft.

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